F.Beckenbauer: Einer wie ich
Geschrieben von: mberghoefer in Bücher, Filme, usw (323 views)
30 Jahre alt ist dieser Klassiker schon, also halb so alt wie sein Autor. Zumindest wird „Kaiser Franz“ als solcher angegeben, auch wenn man ob des bisweilen exzellenten Sprachgebrauchs da leise Zweifel anmelden muss.
Geschrieben kurz nach dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1974, ist „Einer wie ich“ wohl eine der ersten, wenn nicht „die Erste“, deutsche Fussballer-AutoBiographie, die das Lesen wert ist, weil sie wirklich interessante Einzelheiten aus dem Fussballer-Leben des Protagonisten erzählt und gleichzeitig kritisch umgeht mit dem Beruf, der dem Autor (meist) Wohlstand brachte.
Franz Beckenbauer erzählt von seiner Jugend in Giesing und der Ohrfeige, die ihn dazu brachte, sich nicht seinem Traumverein 1860, sondern dessem kleinen Rivalen, dem FC Bayern anzuschließen, beschreibt seine fußballerische Krise, als er mit 18 schon Vater wurde, erzählt von seinem ersten Trainer, dem Beginn seiner Laufbahn, dem Einstieg von Neudecker und Schwan beim FC Bayern, von „Tschik“, und Merkel und Zebec, dem ersten Länderspiel und schließlich auch von Erfolgen – das allerdings am allerwenigsten und sehr zurückhaltend.
Das Ganze geschieht nicht unbedingt chronologisch, und gleitet manchmal ab in Ansätze von Gesellschaftskritik – außerdem legt Beckenbauer, damals selbst erst 30, offenbar Wert darauf, zu beweisen, dass er mehr im Hirn hat als nur Fußball. Er zitiert gezielt aus Büchern, dessen Lektüre man ihm kaum glaubt, lobt Bayreuth, zu dessen Besuch ihn seine (damals noch vergötterte) Ehefrau zwang, und gibt sich auch ansonsten weltgewandt – auch wenn er klar sagt, dass er „niemals in diese Geld-Liga in die USA“ gehen würde. Konnte er ja nicht wissen, dass er genau das kurze Zeit später sehr wohl tun würde.
Überhaupt irrt er sich bezüglich seiner eigenen Zukunft in so Manchem: Die Frau an seiner Seite wird doch nicht ewig die selbe bleiben, sein Wunsch „Schiedsrichter“ zu werden, bleibt unerfüllt, stattdessen wird er Trainer und Funktionär im Fußball, was er beides damals noch so gar nicht wollte.
Interessant zu lesen sind unter anderem die Geschichten um die Prämien-Zockerei während der WM 1974, als Helmut Schön Paul Breitner nach der Vorrunde dermaßen beleidigte, dass dieser praktisch schon abgereist war, oder die Erzählung über die Flucht ins Hamburger Nachtleben von Sepp Maier und Uli Hoeneß in einem Käfer mit defekten Bremsen.
Besonders viel „Fett weg“ bekommt Udo Lattek, der Meistertrainer der Bayern in den frühen Siebzigern. Von ihm hält Beckenbauer damals offenbar überhaupt nichts, er verunglimpft ihn sogar geradezu, nennt ihn einen „Assistenten für die Mannschaft“, der die Trikots bringen durfte, aber zum Spielbetrieb oder den Erfolgen rein gar nichts beizutragen hatte – das hätten Meier, Müller, Beckenbauer alles schon selbst gemacht. Das Einzige, was er Lattek zu gute hält, ist die Verpflichtung von Breitner und Hoeneß, aber ansonsten wird er eher als medienversessener Depp dargestellt.
Bevor hier aber zuviel verraten wird: schaut’s euch selbst an. „Einer wie ich“ ist wirklich lesenswert, auch weil es kaum „political correctness“ enthält, sondern ziemlich ohne Visier, und sprachlich richtig gut, frei von der Leber weg erzählt.
(mberghoefer, September 2005)
Daten zum Buch:
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Titel: Einer wie ich
Autor: Franz Beckenbauer Preis: -vergriffen- Also wie immer: www.zvab.com, www.ebay.de, www.booklooker.com usw. abgrasen, sollte günstig zu bekommen sein. ISBN: 3570019438 Erscheinungsdatum: 1975 Umfang: 320 Seiten Abbildungen: einige Einband: Gebunden |




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