Der FC Schalke 04 wird die Eintrittspreise anheben, und das nicht nur in der nächsten Saison. Das konnte man sich wohl auch schon vor dem Termin des „Kartenausschusses“ denken, aber seit gestern ist das Gewissheit. Es kamen zwei Alternativ-Vorschläge auf den Tisch, die über mehrere Jahre hinweg eine kontinuierliche Preissteigerung beinhalten.

Hier meine Eindrücke von diesem Termin mit Peter Peters, dem Geschäftsführer von Schalke 04. Und eine Meinung dazu hab ich sicher auch…

„Die Schieflage im Vergleich zur Bundesliga-Konkurrenz hatte Vorstands-Mitglied Peter Peters in seinem Vorwort im Schalker Kreisel zum Heimspiel gegen Borussia Dortmund thematisiert: Während Schalke 04 in der Saison 2005/06 in 17 Bundesligaspielen 14,8 Millionen Euro einnehme, käme etwa Borussia Mönchengladbach mit einem Durchschnittsbesuch von nur 45.000 Anhängern auf 14,5 Millionen Euro und damit fast auf den selben Umsatz. Krösus sind hier die Bayern, die mit einem um 4000 Besucher höheren Schnitt allein in der Bundesliga rund 10 Millionen Euro mehr einnehmen.

Dies blieb bei den ersten Diskussionen im Kartenausschuss nicht ohne Resonanz. “Gerade Allesfahrer können es Jahr für Jahr feststellen: Das Preis-Leistungs-Verhältnis in der VELTINS-Arena ist mit Abstand das günstigste”, bestätigt Frank Arndt, der beim Schalker Fan-Club Verband für die Verteilung von Auswärtskarten zuständig ist“, so stand’s auf der Schalker Website, und mit dieser Ausgangsposition wartete Peter Peters dann vor etwa 40 Teilnehmern des Treffens auf.

In seiner Eingangsrede machte Peter Peters klar, dass er (persönlich, ebenso wie Vorstand und Verein) die Diskussion suche, an Meinungen interessiert sei, und dann „am Ende aber die Entscheidungen von uns [dem Vorstand/Aufsichtsrat] getroffen werden“. Es entstand eine lebhafte Diskussion, an der sich etwa die Hälfte der Anwesenden beteiligte. Darunter zwei Herren, die meinen Bundesliga Preisvergleich 2006/07 ausgedruckt vor sich liegen hatten - und tatsächlich saß ich zufällig mit diesen Beiden am selben Tisch, was dazu führte, dass Peter Peters (und andere wohl auch) den Eindruck bekommen musste, wir drei hätten uns irgendwie abgesprochen. Tatsächlich hab’ ich die beiden einmal im Leben vorher gesehen, und ob die zwei sich vorher kannten, weiss ich nicht mal. Für Peter Peters waren wir nach einigen Wortmeldungen trotzdem „die Hardliner“ (was er aber glaub’ ich nicht so übel gemeint hat, wie’s bei mir ankam).

Wie auch schon der Bundesliga Preisvergleich 2005/06 im Jahr davor, zeigt meiner Meinung nach auch der Preisvergleich 2006/07, dass Schalke 04 bereits heute in vielen Platz-Kategorien, insbesondere bei den Dauerkarten, relativ teuer ist - und das wurde kontrovers diskutiert. „Arndtie“ vom Fanclub-Verband wies darauf hin, dass praktisch überall die Gästekarten in den letzten Jahren deutlich teurer wurden, und ich wies darauf hin, dass man nicht nur die Gästekarten, sondern alle Plätze im Stadion betrachten müsse, weil wir ja über die Preise aller 62.000 Plätze reden, und dass wir dabei dann auch nicht nur jeder seine eigene persönliche Situation berücksichtigen müssten, sondern auch die der Hunderttausend, die nicht mal eben mitten in der Woche um 18Uhr in Gelsenkirchen auftauchen können.

Von einem Teilnehmer wurde nach einer Erklärung für die „nur 14.8 Millionen Einnahmen“ beim S04 gefragt, woraufhin Peter Peters sich etwas über die „Täuschungs-Vorwürfe“ im Schalke-Forum beklagte, und dann meinte, die Zahlen wären so zustande gekommen, dass man all die Leistungen aus den Einnahmen herausgerechnet habe, die bei anderen Vereinen nicht im Preis enthalten seien. Insbesondere wären das 10% Vorverkaufsgebühr, Parkgebühren (über die Höhe sagte er auch auf Nachfrage nichts), und Kosten für den ÖPNV. Außerdem sei dabei der Dauerkarten-Rabatt berücksichtigt, und die Plätze über der 51€-Kategorie (VIP usw.) wären mit 51€ eingerechnet. Dazu gab es diverse und wiederholte Nachfragen, bei denen sich Peter Peters dann ab und zu auch widersprach - am Ende war, glaube ich, keinem mehr klar, ob Parkgebühren nun enthalten sind, und wenn ja, in welcher Höhe, ob Logen berücksichtigt wurden, usw. usw.

Dieses Thema an sich, die Zahlendreherei, nervte einen nicht geringen Teil der Anwesenden nach kurzer Zeit schon - weshalb es leider nicht dazu kam, dass die originäre (einzige) Begründung des Vorstandes für die geplante Preiserhöhung so transparent gemacht wurde, dass man sie mit Fakten hätte aufweichen können. Im Vorfeld dieser Diskussion hatte ich versucht, beim Hamburger SV und bei Borussia Mönchengladbach die in der obigen Meldung genannten Zahlen zu deren Einnahmen zu verifizieren. Beim HSV (der im Kreisel-Vorwort von Peters genannt wurde) lief ich gegen eine Wand, aber mit der echten Borussia habe ich interessante Telefonate geführt. Am Ende aber entschied der Pressesprecher von Borussia Mönchengladbach, dass sein Verein keine solchen Zahlen veröffentlicht sehen wolle (und das bisher auch nie öffentlich gemacht habe), und also muss ich diese Informationen als Nicht-Existent betrachten und bin gestern gar nicht in diese Diskussion eingestiegen. Auch Peter Peters war klar, dass das im Rahmen dieses Termines nichts mehr bringen würde, denn er bot den Interessierten an, sich demnächst mal [auf der Geschäftsstelle] mit ihnen zusammen zu setzen.

Hier weitere Aussagen von Peter Peters und Rolf Rojek (Vorsitzender des Fanclub-Verbandes, Mitglied im Aufsichtsrat des S04 und daher schon vorher an den internen Diskussionen beteiligt. Sekundierte Peter Peters in jeder Beziehung):

Zum Thema „eBay / Schwarzmarkt“

  • Nach der Abschaffung des Rabattes auf Block-Dauerkarten zu Beginn dieser Saison gibt es nun nur noch 4000 davon, und der Verein hat damit insgesamt sogar weniger Einnahmen als vorher (Anm.: Das hat mir vor einem Jahr keiner geglaubt, dass es so kommen wird. Und dass das keinen merklichen Einfluss haben wird auf die Angebote bei eBay.)
  • Eintrittskarten werden zukünftig nur noch personalisiert verkauft
  • Der Schwarzhandel an der S-Bahn-Station kann nur vom Ordnungsamt bekämpft werden, und die Stadt wird regelmäßig vom Verein dazu aufgefordert (zuletzt gab es wohl beim Spiel gegen den VfB entsprechende Einsätze)
  • Schalke 04 hat 180.000€ eingenommen über Strafen, die wegen „eBay-Handel“ verhängt wurden.
  • eBay ist überhaupt nicht hilfreich bei der Sache, weil Tickethandel für eBay ein Riesengeschäft ist
  • Schalke 04 geht auch vor gegen professionelle Tickethändler im Internet
  • Es wurde intern schon ernsthaft diskutiert, ob Schalke nicht selbst auf eBay Karten anbieten solle - die Idee dabei wäre, den anderen Anbietern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Käufer, die über den Originalpreis bieten, würden dann den entsprechenden Betrag beispielsweise als Gutschein für den Fanshop o.ä. erhalten. Diese Diskussion allerdings wurde wegen aller möglichen Bedenken nicht weitergeführt.
  • Häufigster Grund, den ertappte eBay-Verkäufer nennen: „soziale Not“ und „kann nur so die Dauerkarte fürs nächste Jahr finanzieren“. Jeder Fall ein Einzelfall - und Fingerspitzengefühl ist gefragt.
  • Schalke 04 belangt nicht nur die Verkäufer, sondern auch die Käufer bei eBay, weil der Käufer derjenige sei, der den Preis so hoch treibt. Zu dem entsprechenden Vorgehen gibt es Klagen gegen Schalke 04.

Zum Thema „Kartensituation / -verfügbarkeit“

  • Die Freigabe einzelner Spiele aus der Chip-Dauerkarte, so wie bisher bei Schalke praktiziert, ist so gut wie überhaupt nicht angenommen worden. Wir reden mit zwei Anbietern über Alternativen (darunter der, den der FC Bayern kürzlich bekannt gab).
  • Das Fanverhalten hat sich geändert. Früher ging man mal kurzentschlossen zum Spiel, heute wollten die Leute schon vor der Saison, oder mindestens drei Monate vor’m Spiel wissen, ob sie Karten bekämen.
  • Der Gastverein hat Anspruch auf 10% der Plätze, über alle Kategorien hinweg. Der FC Schalke 04 bittet die jeweiligen Gastvereine, ihre nicht benötigten Karten möglichst deutlich früher als die eigentlich vereinbarten 2 Wochen vor Spielbeginn zurück zu schicken, damit diese Karten an Schalker weitergegeben werden können. Der VfB Stuttgart beispielsweise war so freundlich, schon mit Vorlauf 6 Wochen 1500 Karten zurückzugeben - und hat sich dann damit einen Monat später Ärger mit seinen Fans eingehandelt, weil S04-VfB plötzlich das Spitzenspiel war.
  • Aufgrund der sportlichen Situation sind heute pro Spiel nur noch etwa 700 Sitzplätze leer.
  • “Es gibt ca. 35.000 Karten in den untersten drei Preiskategorien“ (Anm.: das spricht dafür, dass die im Schalke-Forum veröffentlichte Liste korrekt ist. 17.200 (9€), 5.600 (15€), 9.500 (20€), 10.200 (27€), 4.700 (33€), 5.200 (41€), 6.200 (51€), 2.900 (darüber)
  • 7.500 der Stehplätze in der Nordkurve, also genau die Hälfte, sind Dauerkarten
  • Schon heute verkauft der FC Schalke 04 400 bis 500 Stehplätze mehr als es die Nordkurve eigentlich zulässt - weil man weiss, dass gut 700 Stehplatzkarten-Käufer nicht erscheinen werden. („Überbuchen wie bei den Fluglinien“)
  • Im Parkstadion hatte das Jugendamt noch 500 Karten, und das Sozialamt 400 - das gibt es heute nicht mehr.
  • Der Tageskarten-Verkauf läuft in zwei Wellen: Erst Mitglieder, dann freier Verkauf, danach ist alles „so ziemlich“ weg. Überraschend ist, dass nach der Mitglieder-Aktion für 6-8 Spiele noch viele Karten zu haben seien, sich aber trotzdem viele Mitglieder beschweren, sie hätten keine Chance an Karten zu kommen.
  • Man macht sich etwas Sorgen, dass die nächste Saison unattraktiver werden könnte, wenn man sich ansieht, dass die beiden Borussias aus der Liga verschwinden könnten, und dafür Rostock, Karlsruhe und Duisburg hochkämen, die erfahrungsgemäß nicht so viel Interesse wecken würden.
  • Die Dauerkarten-Warteliste ist „beängstigend“. Es werden nur noch Anfragen in den drei teuersten Kategorien angenommen, und ob diejenigen, die sich heute dort eintragen würden, je eine Dauerkarte bekommen, das ist fraglich.
  • Es wird überlegt, bei der Mitglieder-Aktion auch Mitglieder ab 16 Jahre (oder 14 Jahre) zuzulassen.
  • Der Kinderblock ist manchmal ein „Block des Schreckens“ - „da sitzt alles drin außer Kindern“.
  • (Rojek) Der Verein macht sich Sorgen, dass zu wenige Kinder an Eintrittskarten kommen. Beim Fanclub-Verband gibt es „Kinderaktionen“ (50 Karten + 25 für Begleiter), bei denen dann zwar 75 Personen am Drehkreuz stehen, aber keine 50 Kinder dabei sind.
  • (Rojek) Erschreckend häufig kommt Betrug unter Schalkern vor - beispielsweise wurden bereits benutzte Eintrittskarten durch den Zaun nach Außen gereicht und an der Kasse West/am Doppeldecker zum Weiterverkauf abgegeben.
  • (Rojek) stammt eine Karte bei eBay aus einem Fanclub-Kontingent, so werden alle Karten dieses Fanclubs für das betreffende und für das nächste Spiel gesperrt.

Zum Thema „Preise“

  • “Wenn wir morgen die Eintrittspreise bei allen Kategorien um 3€ reduzieren, dann wird der Verein deswegen auch nicht untergehen“
  • Dem Gastverein müssen die Karten zu denselben Konditionen wie den Heimfans angeboten werden, das bedeutet, dass ein Stehplatz Auf Schalke den SchalkeFan dasselbe kostet wie den Fan im Gästeblock. Das wird vom HSV umgangen, indem er Heimstehplätze nur als Dauerkarte anbietet, und so Gäste stärker zur Kasse bitten kann.
  • Es ist nicht daran gedacht, Parkplatzgebühren zu erheben
  • Mitgliedschaft soll keinesfalls verbunden sein mit Vergünstigungen wie Rabatte auf Eintrittskarten oder im Fanshop, denn „das soll ein ideeller Wert“ sein.
  • “Ich habe nach der ersten Ankündigung über Preiserhöhungen nur zwei oder drei Briefe bekommen. Ich hätte gedacht, es würden mehr werden.“

Zum Thema „Einnahmen / Ausgaben / Sonstiges“

  • Der FC Schalke 04 überweist an die BoGeStra pro Saison 600.000 €
  • Im Parkstadion soll ein 10.000-Mann-Stadion für die U23,U19,U17 entstehen. Kosten: 10 - 15 Millionen €
  • Für 30 Millionen € wurde das Trainingsgelände ausgebaut.
  • Fanshops an Flughäfen zu errichten macht keinen Sinn. Der größte Fanshop ist der Versand. 10 - 11 Millionen € Umsatz.
  • Die Einnahmen aus Eintrittskarten stellen heute etwa 12% des Umsatzes dar.
  • „104 Kilometer ist der Durchschnittliche Anfahrtsweg jedes Besuchers beim Heimspiel von Schalke“, meinte Peter Peters (Anm.: ob da die Gästefans mitgerechnet wurden, weiss ich nicht).
  • Der SFCV zahlt pro Jahr 39.000€ für „eigene“ Dauerkarten
  • Der S04 bietet keine Beitragsermäßigung für beispielsweise Arbeitslose. Wenn jemand aus sozialer Not beispielsweise den Mitgliedsbeitrag nicht mehr zahlen kann, dann kann er sich laut Satzung an den Ehrenrat wenden, und bisher wurde immer eine gute Lösung gefunden.

Gegen Ende der Diskussion stellte Peter Peters dann die im Vorstand besprochenen Modelle zur Preiserhöhung vor. Zwei Alternativen:

  • Alle Preiskategorien außer der teuersten (51€) werden um 1€ erhöht. Im Jahr darauf dasselbe noch einmal, nur dass diesmal auch die zweitteuerste Kategorie ausgespart wird (dann bei 42€). Im dritten Jahr wieder dasselbe, nur dass diesmal auch die drittteuerste Kategorie ausgespart wird (dann bei 35€). Und so weiter.
  • Identisches Vorgehen, nur dass nicht jedes Jahr um 1€ erhöht wird, sondern alle zwei Jahre um 2€. (wobei hier nicht explizit gesagt wurde, ob dann auch jeweils zwei Kategorien ausgespart werden. Falls nicht, dann ist dieses Modell nicht nur wegen der Zinsausfälle teurer)

Die Dauerkartenpreise würden sich entsprechend ebenfalls erhöhen, da ja die Vereinbarung gewesen sei, „3 von 17 Spielen frei“ anzubieten.

Es kam im Laufe des Abends zu diversen „provisorischen Abstimmungen, die noch nicht endgültig sind“ (Rojek), mit folgenden Ergebnissen (wie gesagt, etwa 40 Personen anwesend):

  • Über 50% (also etwa 20) der Anwesenden fand eine Erhöhung der Tageskarten-Preise ok (vier Gegenstimmen?)
  • Etwa 20 Anwesende fanden eine damit einhergehende Erhöhung auch der Dauerkarten-Preise ok (drei Gegenstimmen?)
  • Etwa 20 Anwesende favorisierten das Modell “1€ pro Jahr”, 5 das Modell „2€ alle zwei Jahre“
  • Ohne explizite Abstimmung wurde behauptet, man sei sich generell uneins und unsicher, ob man bei „eBay“ so weiter machen solle wie bisher oder etwa „noch strenger“ auftreten solle. (Anm: Es gab deutliche Meinungsäußerungen, dass man sich dort einfach ganz heraushalten und gar nichts machen solle ebenso wie für’s Gegenteil. Dass auch die Käufer belangt werden, das war ebenfalls umstritten)
  • Ohne explizite Abstimmung wurde behauptet, man sei sich generell einig, dass die Anzahl der Dauerkarten unverändert bleiben solle (Anm: Mein Eindruck war, dass sich in der Diskussion eine Mehrheit eher für eine Verringerung der Dauerkarten-Anzahl aussprach)
  • Ohne explizite Abstimmung wurde behauptet, man sei sich einig, dass eine Mitgliedschaft im Verein aus ideellen Gründen erfolgen solle. (Anm: Wer wollte da widersprechen? Aber schliesst das deshalb aus, dass man Vereinsmitgliedern Vergünstigungen gewährt?)

Am Ende bin ich, wie schon im letzten Jahr, etwas deprimiert gefahren. Wieder nichts erreicht. Wieder nicht alle die Informationen bekommen, die ich gerne haben wollte. Wieder die eigenen Informationen nicht glaubwürdig an den Mann gebracht. Wieder ist mir nicht ganz klar geworden, welche Rolle der SFCV eigentlich spielt. Die Argumente von dieser Seite hätten eigentlich alle auch von Peter Peters direkt kommen können. Der allerdings, der hat mir, wie immer, gut gefallen. Abgesehen davon, dass ein solcher Termin bei weitem nicht selbstverständlich ist: Der nimmt seine Aufgabe ebenso ernst wie seine Gesprächspartner (bis auf ein paar kleine Ausrutscher). Er vertritt zu Recht, und das ziemlich clever, seine Position - die aber eben leider nicht die meine ist.

Wir waren uns einig, dass das Hauptproblem die vor Jahren ungünstig gewählte Blockeinteilung in der Arena ist. Wir waren uns einig, dass die Preise in den unteren drei Kategorien AufSchalke sehr günstig, bei den Stehplätzen sogar konkurrenzlos günstig sind - und weil es über 32.000 solcher Plätze gibt, ist deren Effekt auf die Gesamteinnahmesituation so groß. Wir waren uns nicht ganz einig darüber, dass das nicht zutrifft auf Dauerkarten und auf Tageskarten der oberen Kategorien.

Ich wäre einverstanden mit einer leichten Erhöhung der Tageskarten-Preise in den drei untersten Kategorien. Statt 9, 15, 20€ meinetwegen 10, 16.50, 22. Alle anderen Kategorien, ebenso wie die aktuellen Dauerkarten-Tarife, sind bereits „teuer“ und sollten nicht erhöht werden.

Die Stehplatz-Tageskarte auf 10€ also. „Nicht mehr als 10“ hatten die Fans des AC Mailand bei meinem vorletzten Besuch im SanSiro auf ihren Bannern - und „nicht mehr als 10“, das wünsche ich mir auch für Schalke. Und zwar für die nächsten drei Jahre mindestens. In der letztjährigen Diskussion war ein wichtiges Argument für die Egalisierung der Dauerkarten-Rabatte, dass die teureren Plätze die günstigen mitfinanzieren - und das würde meines Erachtens jetzt ad Absurdum geführt. In beiden vorgeschlagenen Alternativen.

Von jemandem angesprochen darauf, ob er den Bundesliga Preisvergleich 2006/07 kenne, meinte Peter Peters, der sei „anstrengend zu lesen“ gewesen. Auch wenn’s sicher anstrengender war, ihn zu schreiben, so ist auch dieser Text hier wieder ziemlich lang geworden. Und anstrengend. Aber es ist eben so: Ich kann Meinungen besser akzeptieren, wenn ich die Fakten kenne, die jemanden zu dieser Meinung kommen lassen. Deshalb frage ich nach Fakten, und deshalb liefere ich Fakten. Im Preisvergleich ebenso wie hier. Und darauf aufbauend dann erst eine Meinung.

„Mir gefällt nicht, wie wir mit dem Stadion umgehen, und wie wir damit im Markt stehen … im Vergleich zu anderen WM-Stadien“, sagte Peter Peters, und verwies (aus naheliegenden Gründen) immer wieder auf die Preise beim FC Bayern. „Vergleichbarer Komfort sollte auch vergleichbar viel einbringen“.

Abgesehen davon, dass die bessere Einnahme-Situation in der „Allianz-Arena“ vorrangig nicht von den Kategorie-Preisen herrührt, sondern von der Blockstruktur und der daraus entstehenden Anzahl teurerer Plätze, liegt hier, glaube ich ein Hauptgrund für unsere unterschiedliche Auffassung.

Ich will nicht vergleichbar werden mit dem FC Bayern. Nicht im Komfort, nicht im Stil, nicht im Auftreten, und nichtmal notwendigerweise in den Einnahmen. Wenn überhaupt, dann nur im sportlichen Erfolg. Den aber nicht zu jedem Preis. Mir wäre es viel wichtiger, mich von eben genau solchen Vereinen deutlich zu unterscheiden, und den Erfolg auf anderem Wege anzustreben.

Das war in diesem Termin so natürlich kaum zu besprechen - und das gilt auch für einiges andere. Eine ernsthafte Diskussion über so komplizierte Fakten wie die entstehenden Konsequenzen aus der Melange aus unterschiedlichen Blockeinteilungen, Kategorisierungen und Rabattmodellen ist in einer solchen Runde wie dem Kartenausschuss unheimlich schwierig zu führen. Peter Peters bot, wie gesagt, an, „mal zu ihm zu kommen“ und das durchzugehen, und dieses Angebot hab’ ich angenommen. Mit Dank.

Als ich ging, bekam ich zufällig mit, wie Rolf Rojek jemanden mit „Zaffi“ ansprach - und da hab ich die Gelegenheit genutzt, mich bei „Zaffi“, dem Schöpfer der großartigsten Internet-Site über Oberliga-Fußball, mal persönlich zu bedanken. Für sein Engagement und seine Beharrlichkeit und seine Leidenschaft.

Denn es ist nicht der Komfort der Stadien, der den Fußball am Leben erhält, ein Komfort, der sich ja doch vorrangig nur da ausdrückt, wo Arbeitsbedingungen für Presse, Offizielle und Sicherheitsdienst optimiert sind (oder glaubt irgendwer, die „5 Sterne“ würden dafür vergeben, dass wir auf den Rängen uns super fühlen?).

Nein, das Herz des Fußballs schlägt in den Leibern der Fans, Leuten wie „Zaffi“ und vielen anderen, die vor einem wichtigen Spiel kaum schlafen können - und diese Leute müssen es sich leisten können, in’s Stadion zu gehen. Und ich kann und darf diese Leute ebensowenig über den Preis ausschließen wie den Nachwuchs, der seine Leidenschaft erst noch entdecken muss.

Dafür gibt es erschreckende Beispiele - und mein Verein soll kein erschreckendes Beispiel werden. Mein Verein soll Vorbild sein.

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