”Vanity, Greed, and the Souring of British Football”, das ist der Untertitel dieses Buches, das im Erscheinungsjahr 2003 in England Furore machte, als „William Hill Sports Book of the Year“ ausgezeichnet und zum Bestseller wurde, und nicht zuletzt Michael Becker (den Spielerberater von Ballack) zu seinem Buch über die Machenschaften beim 1.FC Kaiserslautern animierte. Korruption im Fußball, das ist das Thema.
Meines Wissens ist dieses Buch nie auf Deutsch erschienen, was sicherlich daran liegt, dass es sich beinahe ausschließlich befasst mit dem Zustand des Profi-Fußballs in England. Dabei werden insbesondere die Transfergeschäfte bei Vereinswechseln von Spielern unter die Lupe genommen und an zahlreichen Beispielen Schmiergeldzahlungen an Manager und unglaubliche Selbstbedienungsaktionen von Spielerberatern aufgezeigt.
Terry Venables, George Graham, Harry Redknapp und viele andere werden an den Pranger gestellt - dass insbesondere Venables trotz dieser nicht folgenlos gebliebenen Enthüllungen weiterhin Unsummen im Fußball verdient, ist ziemlich verblüffend, aber wohl auch bezeichnend.
Natürlich fragt man sich bei der Lektüre, inwiefern solche Zustände auch im Deutschen Fußball herrschen - Beckers „Die Simpleminds vom Betzenberg“ (vielleicht später mal was darüber) unternimmt ja einen Versuch in die Richtung, ist aber leider nur eine Wiedergabe von Zeitungsberichten und keine eigenständige Recherche.
Da auch die Profi-Vereine hierzulande mit den selben „Größen“ im Spielerberater-Business zu tun haben wie ihre Mitbewerber von der Insel, ist klar, dass die Vereinsbosse von Schalke, Bayern & Co mit solchen Praktiken konfrontiert sein müssen. Die einzigen winzigen Hinweise in Bowers Buch, die mir diesbezüglich auffielen, sind Transfers von Lizarazu zu den Bayern, Peter Lovenkrands zu Glasgow, und überhaupt die häufige Erwähnung des Kulturkreises Skandinavien.
In 2007 ergänzte Bower sein Buch um ein weiteres Kapitel, das sich befasst mit den Entwicklungen bis nach der WM2006 (um die sich auch England beworben hatte - auch hierzu gibt es einiges Interessantes zu lesen in „Broken Dreams“). Hier steht wieder mehr die FA im Blickpunkt, die Milliarde, die für den Bau des Wembley-Stadions aufgewendet wurde, und der Ausverkauf der Premier-League Clubs an ausländische Investoren, wobei offenbar insbesondere der Einstieg von Abramovich bei Chelsea aufgrund dessen enormer Transferpolitik einige Clubs vor dem Untergang rettete, der ihnen nicht zuletzt wegen des auch in England vorgekommenen Pay-TV-Kollapses drohte.
Insgesamt ein interessantes Buch, erschreckend wegen des Inhalts und ganz besonders auch deswegen, weil man nicht den Eindruck hat, als würden sich die Zustände ändern - oder auch nur ändern können.
(mberghoefer, Juni 2008)
Daten zum Buch:
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Titel: Broken Dreams - Vanity, Greed, and the Souring of British Football
Autor: Tom Bower Preis: ca.12€ ISBN: 184739003X Erscheinungsdatum: Erstausgabe 2003, mit Erweiterungen erschienen April 2007 Umfang: 400 Seiten Abbildungen: acht Seiten mit Farb-Fotos Einband: Taschenbuch |


Saison 2010/2011
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