Roger Repplinger: Die Söhne Sachnins
Geschrieben von: mberghoefer in Bücher, Filme, usw (110 views)
Eine arabische Fußballmannschaft kämpft in Israel um den Klassenerhalt in der 1.Liga. Bei Bnei Sachnin spielen Moslems, Juden und Christen zusammen, Israelis und Ausländer, und sie versuchen nicht nur in der Liga, sondern auch im Alltag dieser Gesellschaft zu bestehen - und das ist schwierig.
Ein außergewöhnliches Buch, und ein außergewöhnlich gutes!
Roger Repplinger, ein promovierter Soziologe, schreibt seit über 25 Jahren für anspruchsvolle Magazine und Zeitungen, auch über Sport - und das ganz hervorragend, was ihm mehrere Auszeichnungen einbrachte. Drei Reisen nach Israel unternahm Repplinger, um sich mit Bnei Sachnin zu befassen, und herausgekommen ist ein wunderbares Buch über Fußball und über die soziale und politische Situation in Israel.
500 Seiten hat der Wälzer, und ich finde, keine davon ist überflüssig. Hätte gerne doch dicker sein dürfen, denn Repplinger beschreibt die Menschen, die Landschaft, das Klima und die Umstände so lebendig, man meint, man wäre mit ihm vor Ort, würde mit ihm den Tee schlürfen (der natürlich nicht „einfach so“ kredenzt und getrunken wird) und den Geschichten der Menschen lauschen.
Die sind manchmal lustig, manchmal ergreifend, immer interessant. Die Fans, die sich in traditionellem Berber-Outfit auch auf die weiteste Auswärtsfahrt begeben. Die Mutter, deren Sohn am Rande einer Demonstration erschossen wird von einem Polizisten, der ungeschoren davon kommt. Der Vereinspräsident, der alles irgendwie zusammen hält. Der Trainer, der in Deutschland arbeitete, dem davon aber nur die Arbeit mit Wolfram Wuttke unvergeßlich blieb - und der einen seiner ausländischen Stars so schlecht behandelt, dass er sich am Ende mit ihm prügelt. Die Mädchenmannschaft, die von einer Schiedsrichterin betrogen wird, deren Namen der Verband geheim halten will. Surfer im Gazastreifen. Rassismus in Stadien. Das entscheidende Spiel um den Klassenerhalt. Das von Sharon versprochene „neue Stadion“. Der Wert des Essens, die Herstellung von Brot. Der neulich gefeuerte Chelsea-Trainer noch als Coach der israelischen Nationalelf, deren Fans es schwer verdaulich finden, dass ausgerechnet ein Araber aus Sachnin ein wichtiges Tor schießt. Die Zensur der Medien bei der Berichterstattung. Und so vieles mehr, man kann´s gar nicht alles aufzählen.
Die Geschichten sind so divers, irgendwie umfassen sie einfach alles und lassen einen den Eindruck haben, man lebe mit. Auch wenn es manchmal unumgänglich wird, dass seitenweise historische Ereignisse und Entwicklungen dargestellt werden müssen, damit die Zusammenhänge klar werden - die Stärke dieses Buches liegt doch bei der Schilderung des Lebens. Repplinger schaut genau hin, beschreibt Details, Blicke, Gefühle, Stimmungen ganz wunderbar.
„Die Söhne Sachnins“ ist eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe - und eines der besten Fußballbücher sowieso. Und weil´s das aktuell für unter 3€ beispielsweise bei „jokers.de“ gibt, sag ich: Kaufen! Lesen!
(mberghoefer, Juli 2008)
Daten zum Buch:
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Titel: Die Söhne Sachnins
Autor: Roger Repplinger Preis 19.90€ (bei jokers.de aber auch schon für unter 3€ gesehen) ISBN: 3936261423 Erscheinungsdatum: Dezember 2005 Umfang: 500 Seiten Abbildungen: ein paar Seiten schwarzweiss Einband: Hardcover |
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