Richard Kirn: Der lachende Fußball
Geschrieben von: mberghoefer in Bücher, Filme, usw (726 views)
“Fröhliche Geschichten um das runde Leder“ lautet der Untertitel dieser angeblich frühesten Anekdoten-Sammlung zum Fußball in Deutschland. 1942, also mitten im Krieg, erschien dieses dünne Heft erstmals, wurde in hohen Auflagen immer wieder aufgelegt, insbesondere auch um Soldaten an der Front eine Ablenkung zu bieten.
Auf 120 Seiten sammelt der Journalist und Sportreporter Kirn, geboren 1905 in Worms und der Wormatia ebenso zugetan wie der Eintracht aus Frankfurt, wo er später heimisch werden sollte, hier kleine Geschichten aus dem Fußballsport. Viele davon sind ziemlich belanglos und aus heutiger Sicht auch kaum witzig oder amüsant, wurden aber vor siebzig Jahren offenbar so aufgefasst.
Immerhin kann man die Geschichten trotzdem mit Interesse lesen, denn gerade die nebenbei erwähnten Dinge zeigen etwas vom Alltag damals, im Deutschland zwischen 1900 und 1940. Schon 1920 also trugen die Tribünen in Fußballstadien die Namen von Sponsoren und überhaupt spielte Geld eine große Rolle, ebenso wie Showeinlagen rund um Fußballspiele - so durfte gar in der Halbzeitpause eines Länderspiels ein deutscher Fußballnationalspieler zwei Ringkämpfe aufführen und danach die nächsten 45 Minuten auf dem Platz bestreiten.
Natürlich kommt auch Schalke ab und zu vor, insbesondere Fritz Szepan, der damals offensichtlich auch einen Ernst Kuzorra überstrahlte, aber häufiger noch zu finden sind Geschichten aus dem RheinMain-Gebiet und aus Österreich, wobei die Austria und Sindelar eine herausragende Rolle spielen.
Auch Erstaunliches liest man: so erzählt einer der Torschützen des allerersten Länderspiels einer deutschen Nationalmannschaft, dem „3:5“ gegen die Schweiz in 1908, dass das Spiel „2:5“ ausgegangen sei, denn das angebliche Anschlusstor zum 2:3 sei ein Lattentreffer gewesen - das „3:5“ sei einfach eine inzwischen zur „Realität“ gewordene Falschmeldung. Geschrieben 1942. Heute, im Jahre 2008, lautet das vom DFB (und allen anderen) offiziell genannte Ergebnis…noch immer „3:5“.
Richard Kirn war während des Krieges beteiligt am Drehbuch zum Kinofilm „Das große Spiel“, arbeitete später bei der Frankfurter Rundschau und dem Kicker, schrieb noch sehr viel über Fußball, unter anderem auch Romane.
In „Der lachende Fußball“ legt er Wert darauf, nur „wahre“ Geschichten zu erzählen, die zumeist sehr harmlos sind. Nicht zuletzt wegen der gezielten Verbreitung während des Krieges wurde das Heft (Taschenbuch, sehr schmal und etwas größer als heutige Reclam-Bändchen) populär und Kirn gab noch einen zweiten Teil heraus. Zumindest historisch sind diese Bändchen auch heute noch interessant.
(mberghoefer, Oktober 2008)
Daten zum Buch:
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Titel: Der lachende Fußball
Autor: Richard Kirn Preis: -vergriffen-. Gebraucht für etwa 5€ zu bekommen. ISBN: - Erscheinungsdatum: 1942 Umfang: 122 Seiten Abbildungen: mehrere Zeichnungen Einband: kleinformatiges Taschenbuch |


Saison 2010/2011
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