Ein tristes November Wochenende findet für uns Schalker seinen “Höhepunkt” in der BayArena zu Leverkusen.

Fast die ganze Woche hat uns der Tod von Charly Neumann in seinem Bann gezogen und damit die Niederlage gegen die Bayern aus den Köpfen verdrängt. Die Trauer, auch weit über die Grenzen Schalkes hinaus, um eines der letzten Originale des deutschen Fußballs bestimmte die Szenerie.

Abseits davon hat sich unsere Mannschaft, wie sie uns in Person von Marcelo Bordon im “Blauen Brief” versicherte, auf das schwere Auswärtsspiel in Leverkusen gegen den Tabellenführer Bayer 04 vorbereitet. Von einer guten Woche ist da die Rede, von sorgfältiger Vorbereitung. Man habe das Gefühl in Leverkusen “ein gutes Spiel abliefern” zu können.

In Leverkusen zu punkten, bei den spielstarken Mannen von Bruno Labbadia, hätte unserer geschundenen Schalke Seele nach der völlig unnötigen und unverdientesten aller Niederlagen am zurückliegenden Sonntag gegen die Bayern und dem Tod von Charly richtig gut zu Gesicht gestanden. Etwas Balsam für uns, einen oder gar 3 Punkte für Schalke, ein angenehmer Gedanke.

Zu Beginn eine Schweigeminute auf den Rängen, weil es offiziell von der DFL keine solche gab.

An dieser Stelle möchte ich als Schalker symbolisch meinen Hut ziehen vor der Leverkusener Fanszene. Nicht nur, dass sie die Schweigeminute unterstützten, hatten sie auch noch 3 lange Banner angefertigt und präsentierten diese:

“Es kommt nicht darauf an, welchen Verein man geliebt hat”

“Es kommt darauf an, wie sehr man den Fußball geliebt hat”

“RIP Charly Neumann”

Diese Geste war für mich, und sicher nicht nur für mich, eine wirklich lobens- und erwähnenswerte Aktion der Leverkusener, die meine höchste Anerkennung verdient. Schön, dass der heutige Fußball doch noch Platz lässt für solche Momente, so traurig der Anlass in diesem Fall auch ist.

Was sich allerdings danach auf dem Rasen der “Baustelle BayArena” abspielte, war weit davon entfernt meine Anerkennung zu bekommen oder gar zu verdienen. Ich hätte gern gesehen, wenn den Worten aus dem Blauen Brief auch Taten gefolgt wären. Aber auf dem Rasen lieferten meine, unsere Königsblauen, die in weißen Trikots und Hosen mit Trauerbinde am Arm auf Tor- und Punktejagd gingen, nur einen Bruchteil von dem was uns im Brief in Aussicht gestellt wurde. Nix zu sehen von einer Mannschaft die da so gut gearbeitet hatte unter der Woche, die gute Gespräche mit dem Trainer geführt hat und als Mannschaft harmoniere.

Wie hieß es doch dort in diesem Brief:

“Das gute Training, die Harmonie im Team – all das stimmt mich zuversichtlich, dass wir am Samstag in Leverkusen ein gutes Spiel abliefern werden. Denn eines steht außer Frage fest: Wir verfügen über genug Qualität, um in der Tabelle noch ein paar Plätze nach oben zu klettern”.

Ein gutes Spiel abliefern? Dazu gehört nach meinem Verständnis vom Fußball, dass man sich, jeder Einzelne, auf seine Aufgaben konzentriert, sich einbringt und mit Laufbereitschaft, Engagement und unbedingtem Siegeswillen jedem Ball solange hinter geht, bis er nicht mehr spielbar ist. Leidenschaft für jeden Ball, das Verlangen ein Tor zu erzielen, den Gegner an seinem Spiel hindern. Alles schon hundert-, ach was sag ich, tausendfach genanntes “Fußball Einmal Eins” für die Spieler. Kaum etwas davon war zu erkennen.

Selbst die mit einer gehörigen Portion Respekt ins Spiel gegangenen Leverkusener mit ihren anfänglichen Unsicherheiten in der Abwehr, mangelhaftem Passspiel, haben unseren Jungs noch Hilfestellung geleistet, aber niemand von den Weißen wollte anscheinend diese Hilfe in Anspruch nehmen. Sogar eine sogenannte “1000% ige” haben wir abgeschenkt, billig in die Kurve statt ins Tor bugsiert.

Wenn man dann noch selbst hinten Fehler wie eine Kreisliga Mannschaft macht wie der doch eigentlich technisch gut ausgebildete Levan Kobiashvili, der sich nach seinem Ballverlust auch noch von seinem Gegenspieler hat schwindelig spielen lassen, dann kommt was kommen muss.

Der Eine lässt sich eben “vernatzen und austänzeln”, die Anderen decken den Raum, und der völlig freistehende Gegenspieler bekommt den Ball und schiebt ihn einfach so am chancenlosen Manuel Neuer in unser Tor. Blöder kann man sich einfach nicht anstellen und um ein Gegentor betteln wie unsere Jungs in dieser Szene.
Mit dem Tor war dann auch der letzte Hauch von Spielkultur bei uns verschwunden. Leverkusen musste sich nicht mal richtig strecken um uns klein zu halten. Sie haben einfach nur ihren Level gehalten, und nach dem nächsten Aussetzter der “besten Abwehr der Bundesliga” fast schon folgerichtig das 2 zu 0 erzielt. Das war so simpel, weil in diesem Fall Leverkusens Patrick Helmes einfach 2 Tacken schneller geschaltet hat als unsere Abwehrrecken und mit seinem Schuß Manuel Neuer das zweite Ding einschenkte.

Wer erwartet hatte, dass sich unsere Knappen aufbäumen, endlich dagegen halten und ihrerseits den Torerfolg suchen, der wurde bis zum Pausentee eines besseren belehrt. Wenig bis nix kam von den Unseren, leider.

Beim Blick auf Halbzeitergebnisse aus den anderen Stadien war klar, dass wir tabellarisch weiter nach hinten durchgereicht werden würden. Selbst die Schwatt-Gelben waren an uns vorbei gezogen. Platz 8 nach 12. Spieltagen und 45 Minuten war der Status Quo. Ernüchternd, und so trist und trüb wie das Wetter an diesem 15. November 2008. Es konnte nur besser werden, es musste auch besser werden, denn so konnte es ja wohl kaum weitergehen.

Mit Beginn der zweiten Hälfte kam Christian Pander ins Spiel. Also wollte Fred Rutten die wohl derzeit stärkste “Schalke-Waffe”, die Standards, mit Panders Hilfe, in die Waagschale werfen. Wenn schon nix aus dem laufenden Spiel kommt dann wenigstens mit ruhenden Bällen den Erfolg erzwingen.
Nach 3 Minuten hatte Christian auch 2 mal die Gelegenheit, einmal eine Flanke aus dem Spiel und dann ein ruhender Ball. Es änderte sich noch nichts. Keine Torgefahr durch Schalke. Rene Adler musste noch kein einziges Mal richtig eingreifen, und das nach 50 Minuten. Trostlos, ernüchternd für mich.

Unsere Jungs wurden nun zwar dynamischer, was aber angesichts der desolaten Vorstellung aus Halbzeit eins auch keine große Kunst bedeutete, blieben aber weiterhin nach vorn zu harmlos, was die eigenen sportliche Ambitionen angeht. Nix zu sehen von der Qualität, die Andi Müller noch vor dem Spiel bei Premiere der Truppe attestierte.

Überhaupt wird mir der Begriff “Qualität” im Zusammenhang mit unserer Truppeeinfach zu oft in unserem Verein benutzt - Qualität gehört auf den Platz und nicht in Wortform in die Kameras und Mikros der Journalie, aber das nur nebenbei erwähnt.

Ich hab vorm Fernseher gesessen und immer wieder in mich hinein gemurmelt, dass doch endlich ein Ruck durch die Truppe gehe, man sich endlich einmal befreit.
Mit einer Gelb-Roten gegen Bayer Mitte der zweiten Hälfte dachte ich, jetzt geht noch was. Aber das dachte ich in einigen Spielen dieser Saison auch schon, wenn unsere Gegner zahlenmäßig dezimiert zu Ende spielen mussten. Auch da blieb der Wunsch nach mehr Biss und Erfolg bei uns Vater meiner Gedanken, leider leider.
Fred Rutten hatte längst umgestellt. Heiko Westermann ins Mittelfeld vorgezogen, später noch Gerald Asamoah als Wühler ins Getümmel geschickt.

Doch erst gegen Ende der Partie schien es, dass auch die Jungs da unten auf dem Rasen mit dem weißen Trikots erkannt hatten, warum und weshalb sie da auf dem Platz stehen. Endlich mal Wille, Einsatz, wenngleich mit weniger Ruhe und mehr mit der Brechstange. Es waren auch noch immer keine dicken Torchancen dabei, aber man hatte zumindest das Gefühl, dass Schalke nun auch gedanklich verarbeitet hatte, dass man mit einem Mann mehr auf dem Rasen noch 2 Tore für wenigstens das Minimalziel bräuchte, und entsprechend ging man zu Werke.

Ein Freistoß von Christian Pander war dann letztlich der Wegbereiter zum Anschlusstreffer, wieder mal ein Standard also. Kevin Kuranyi köpfte aus stark abseitsverdächtiger Position ins Bayer Tor, und noch waren 5 Minuten plus Nachspielzeit auf der Uhr. Urplötzlich hatte ich wieder Hoffnung, die Hoffnung, dass es am Ende doch noch gut ausgeht für Schalke, für mich, für uns alle.
In der 91. Minute ist der Ball dann auch tatsächlich drin - Ausgleich - Jaaaaaa, entwich mir ein Jubelschrei, wie ich ihn schon lange nicht mehr losgelassen hatte. Doch im nächsten Moment die Ernüchterung - Abseits entschied der Linienrichter, ach nein, neuerdings heißt der ja Schiedsrichterassistent, und Schiri Manuel Gräfe gab den Treffer nicht. Wäre auch zu schön gewesen, an diesen trüben, nasskalten und so gar nicht schönen November Nachmittag.
Die letzten beiden Minuten vergingen dann ohne jeden weiteren Aufreger. Aus - Vorbei, wieder 2 zu 1 gegen Einen von “ganz oben” verloren, und das innerhalb von 6 Tagen. Wir sind nur noch Mittelmaß schoss es mir durch den Kopf.

Eine große Leere machte sich in mir breit.

Schalke in der Saison 2008/09 ist bisher, so traurig das auch ist, eine Enttäuschung für mich. Ein neuer Trainer mit Fred Rutten, sportliche Aussichten seitens der handelnden Personen unserer Vereinsoberen vor der Saison und die in mir schlummernde Sehnsucht nach der “Schale” haben Vorfreude, Lust auf Schalke geschürt.
Diese ist bis dato, trotz einiger positiver Momente in der laufenden Saison, großer Enttäuschung und einer sich schon fast einschleichenden Gleichgültigkeit gewichen.

Es schmerzt einfach, wenn man Woche für Woche diese Gefühlstäler durchschreiten muss. Die Tage zwischen den Spielen pusht man sich selbst, redet sich ein, dass Schalke doch eigentlich ne gute Truppe hat und nach oben in der Tabelle gehört, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis man endlich die sportlichen Ziele auch wieder greifbar vor sich hat, die Gegner in der Liga von Schalke als einer Spitzenmannschaft sprechen.
Und dann an den Spieltagen kommt leider viel zu häufig der innerliche Absturz. Zu viele Remis` bis noch vor einer Woche schienen schon die Träume von der Champions League oder gar mehr am Saisonende frühzeitig in die Ferne rücken zu lassen. Nach nun 2 Niederlagen am Stück wird einem erst mal bewusst, dass man sogar hinter Platz 5 und der Teilnahme am Uefa Cup mehr als nur einen Sieg hinter der Musik ist.

Sicher ist noch nicht die letzte Messe gelesen, aber das fatale in meinen Augen ist, dass wir nicht nur von den Ergebnissen hinter den Erwartungen zurück liegen, die spielerischen Defizite, die ständigen Personalwechsel ob dieses Missstandes, die mangelnden Alternativen seitens der Ergänzungsspieler, und die völlig unzureichende Trefferquote an sich, lassen wenig zuversichtlich in die nahe Zukunft blicken. Dazu sind viele Stammkräfte nicht konstant genug in ihren Leistungen. Die Summe dieser negativen Aspekte macht mich nachdenklich und das desillusioniert.

Nur - Den Rest für heute hat mir dann letztlich die Szenerie auf dem Platz direkt nach dem Abpfiff gegeben. Da haben wir gerade ein Spiel gegen Leverkusen verloren und sind in der Tabelle bereits 8 Punkte hinter Bayer und Hoffenheim zurück - und einige unserer Knappen halten da ein “fast fröhlich nettes Pläuschchen” mit den Leverkusenern, lächeln und scheinen zu scherzen. Also, nix gegen eine sportlich faire Gratulation an der siegreichen Gegner, aber dann ist es auch gut.

Vielleicht bin ich grad auch nur zu deprimiert ob des Spiels, aber solche Szenen kann und will ich nicht von meinen Schalkern sehen. Mein erster Gedanke war direkt: “Die haben nix, aber auch gar nix kapiert, was Schalke ist, was Schalke uns bedeutet” Klingt eventuell etwas überspitzt, aber ich “genehmige mir diese Sichtweise für heute”. Ich war danach so stinkig, dass ich mir meinen Frust von der Seele schreiben musste. Ihr mögt mir das nachsehen, denn ich bin eigentlich keiner, der die Flinte schnell mal ins Korn wirft, aber irgendwann muss es raus. Und derweil läuft so einiges schief, für mich und meinen S04, da sollte das eine oder andere Wort der Unzufriedenheit einfach erlaubt sein.

Ich wär aber wohl kein Schalker, wenn ich nicht doch noch ganz tief in mir drinnen Hoffnung auf Besserung hätte. Dazu nimmt man als Schalker auch schon mal einen sich bietenden Strohhalm, wenn sonst nix anderes da ist. Unser Trainer Fred Rutten hat mir den nach dem Spiel gereicht - vor der Premiere Kamera ein paar Aussagen getroffen, die das Fünkchen Hoffnung auf ein besseres, erfolgreicheres Schalke am Leben halten.

Rutten sagte:

“Ich bin sauer auf die Mannschaft! Es hat die Leidenschaft gefehlt. Es ist normal, wenn in einem Spiel mal 1 oder 2 Spieler nicht richtig auf dem Platz sind, aber wenn es 8 oder 9 sind, das geht nicht”.

“Sowas passt nicht Auf Schalke. Auf Schalke gehört Arbeit”

Worte, die ich nur zu gern aufgesogen habe. Worte die mir zeigen, dass ich nicht allein bin mit meiner Einschätzung zum Spiel. Fred Rutten wirkte äußerlich aufgeräumt, aber ich war mir sicher, in ihm brodelt ein Vulkan, der nur darauf wartet auszubrechen und sich “ergießen” zu dürfen.

Auch wenn Strohhalme in der Regel leicht knicken, hoffe ich, das “dieser” stabil ist.

Auf eine Serie für den FC Schalke 04

Glückauf
Frank aka Rubber-Duck

2 Antworten zu “Herbstimpressionen Auf Schalke”
  1. blue sagt:

    Was man so fühlt, wenn’s läuft, wie es zur Zeit läuft, hast du richtig treffend beschrieben. Wenn ich in der Sport-Blöd lese, dass wir bald spielen wie Barcelona und die Fans die Entwicklung der Mannschaft zur Kenntnis nehmen und “uns” das gefällt……. Und in der WAZ von heute redet Müller von der Champions-Leaque….
    Die Illusions-Pillen hätte ich dann auch gern. Und meinem Chef gebe ich auch welche, dann kann ich demnächst auf der Arbeit richtig Bockmist bauen und der findet dann trotzdem noch klasse, was ich mache.

    Mir fällt zu Schalke momentan nicht viel positives ein. Ich hab mir Schreibverbot verordnet.

  2. elchinas sagt:

    hello…

    thanks…

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