Ein dicker Fotoband, heraus gegeben vom „renommierten Sportjournalisten Michael Heatley“ (Klappentext), mit „historischen und neuesten Aufnahmen aus 62 Stadien Europas“. Muss ja was sein, oder? Tja, hätte was sein können - aber…

Aber leider hat das Buch zu viele Schwächen und zu wenige Stärken. Auf 256 Seiten werden hier Stadien vorgestellt, mehr übrigens als die vom Verlag und auf dem Buch selbst angegebenen „62“, weil die Kapitel sich nicht an Stadien orientieren, sondern an den Vereinen, die hauptsächlich in diesen Stadien spielen. Und manche spielen da vielleicht in mehr als einem Stadion, und bei anderen wird neben dem Vereinsstadion auch das Nationalstadion vorgestellt (Wien zB).

Das Buch, das vor der WM2006 erschien, behandelt zuerst einmal die Stadien, die bei der Weltmeisterschaft als Spielorte dienten. Das passiert relativ ausführlich, soll heißen: viele Fotos. Aber genauso wenig Text, wie bei allen folgenden Kapiteln auch. Also ein dutzend Sätze vielleicht, mehr nicht. Da gibt´s ein Kästchen mit „Fakten“ (von denen erschreckend viele nicht stimmen), und ein bissel was an Prosa zum Stadion, vielleicht zur Geschichte, vielleicht zum Verein, der da spielt. Viel zu dünn und oberflächlich um packend zu sein. Und die Fehler sind wirklich grausam, nicht nur Übersetzungsfehler, oder -schlampereien, sondern auch richtige inhaltliche Kracher.

Beispiel gefällig? Denkwürdigster Moment in der Arena Auf Schalke? Das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1958. Da stand zwar auf dem Gelände der Arena noch nichtmal das Parkstadion, aber das wär auch egal, weil dieses Endspiel ja sowieso in Hannover angepfiffen wurde. Ab und zu passen Fotos und Bildunterschriften nicht zusammen, was man aber wohl nur erkennt, wenn man bei den betreffenden Spielen dabei war, oder eben weiß, wann beispielsweise in Dortmund die Stadionecken ausgebaut wurden usw… Oder wie wär´s hiermit, einem typischen Beispiel, wie fahrlässig da formuliert wird: Frankenstadion Nürnberg: „diente..als Aufmarschplatz für die Hitlerjugend. Seit damals aber ist Nürnberg bemüht, sich von dieser Vergangenheit zu lösen, und hat auch das Franken-Stadion zweimal renovieren lassen.“ Einfach unterirdisch.

Ok. Lassen wir den Text mal beiseite. Immerhin ist das ja eigentlich ein Fotoband. Viele, viele bunte Bilder. Beinahe in Hochglanz, und immerhin ist das Werk extra im Querformat aufgelegt, damit die Stadionfotos auch wirken können. Nur leider: viele der Fotos sind unscharf - beinahe so als habe man einfach Bilder aus dem Internet genommen und die auf A4 vergrößert. So entstehen richtig schlechte Abbildungen. Zwar sind hier und da wirklich ein paar schöne Fotos in hoher Qualität zu sehen (bezeichnenderweise steht dann in der Bildunterschrift sogar ausdrücklich dabei, dass dies eine „schöne Luftaufnahme“ sei), aber es gibt auch erstaunliche Kapitel über Stadien, in denen kein einziges Stadionfoto enthalten ist sondern stattdessen zwei Fußballer oder vier Fans abgebildet werden.

Richtig gefreut hab ich mich eigentlich nur, wenn hier und da mal Schalke auftaucht, zB bei den Fotos aus Rotterdam und Istanbul, oder wenn ich gar irgendwo selbst auftauche, als winziger Punkt in irgendeinem Gästeblock (zB beim EM-Spiel in Lüttich ;-). Aber das rettet das Buch nicht. Für 30€ ist die Qualität einfach zu schlecht. Für 5€ hätt´ ich nix gesagt, da kann man so´n mit minimalem Aufwand zusammen gezimmertes Ding mal kaufen - aber so, ne, so kann man das nicht empfehlen.

(mberghoefer, November 2008)

Daten zum Buch:

Titel: Fussballstadien Europas

Autor: Michael Heatley

Preis: 29.90€

ISBN: 3613505088

Erscheinungsdatum: 2006

Umfang: 256 Seiten

Abbildungen: jede Menge

Einband: Gebunden, A4 Querformat

4 Antworten zu “M.Heatley: Fussballstadien Europas”
  1. awe sagt:

    Ich behaupte einfach mal: Das kannst Du besser !
    Die Qualität der Fotos und der Texte sind ja hier schon zu genüge gelobt worden.
    Wobei wir dann wieder beim Thema wären … wann kommt Dein Buch nochmal raus ??? ;-)

  2. mberghoefer sagt:

    Bei Tschibo gibt´s grad ne Aktion für “Book on Demand” - anstelle von knapp 400€ müsste ich nur 40€ ausgeben, und könnte vielleicht ein 240-Seiten Buch auf den Markt bringen, das dann aber um die 18€ kosten würde. Ob das wirklich Käufer fände (also, mehr als zehn, mein ich ;-) ? Book-on-Demand ist halt leider was ganz anderes als “Werkstatt”-Verlag & Co…

  3. awe sagt:

    :-) schön, dass Du Dir wenigstens Gedanken drüber machst !
    Übrigens glaub ich schon, dass das Werk - auch für 18 EUR - mehr als 10 Abnehmer finden wird.

  4. mberghoefer sagt:
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