Meinen „Indiana-Jones“-Hut hab ich im Auto gelassen, aber auch so verläuft die Expedition erfolgreich - diesmal fördert sie in einem sonst im dunkel liegenden Raum aus einem eigentlich unscheinbaren Regalschrank ein absolutes Einzelstück zu Tage: Das „Ehrenbuch“ des FC Schalke 04.
Ohne hilfreiche Hände hätte ich den Abstieg in diese offensichtliche Schatzkammer nicht wagen können, und so ganz genau wusste ich auch nicht, was mich da erwartet - aber es ist so viel, auf jeden Fall genug, um über die nächsten Monate immer wieder mal das ein oder andere hier etwas genauer vorzustellen. Beginnend heute mit diesem offensichtlich hochwertigen Einzelstück, von dessen Existenz ich gar nichts wusste. Insofern kann ich auch noch wenig darüber sagen, aber das gehört ja im wahrsten Sinne des Wortes auch dazu, das „Nach“-Forschen.
Ein aufwendig in Leder gebundenes Buch ist es, teure Seiten (vielleicht auch aus Leder), akribisch beschrieben. Festgehalten wird in diesem Buch, wer vom Verein für welche Verdienste besonders geehrt wurde.
Dem Anschein nach entstand es in seiner heutigen Form um 1954, denn die Schrift und deren Qualität ist auf allen Seiten gleich, und es gibt Eintragungen, die sich auf dieses Jahr beziehen, gleichzeitig aber leere Seiten, die eigentlich zu diesem Zeitpunkt womöglich schon gefüllt hätten sein können. Ist das Buch also nie „fertig“ geworden? Oder wurde es nach dem Jubiläum (50 Jahre FC Schalke 04) einfach nicht mehr weiter geführt, vielleicht durch etwas anderes ersetzt? Falls irgendwer etwas dazu weiss, dann freue ich mich über Hinweise - vielen Dank!
Hier also mal ein paar Fotos aus diesem deutlich über A4-Format großen, aber recht dünnen Band.

Das Schalker Ehrenbuch

“Papa Unkel“ (oder wie er in ganz frühen Berichten eigentlich häufiger genannt wurde: „Vater Unkel“)

mehr geht nicht

die „neueste“ Eintragung, zum Jubiläum 1954

eine leere Seite - natürlich ungewöhnlich für so ein Buch. Ist die Seite absichtlich leer gelassen, weil vielleicht niemand von den ganz frühen Mitgliedern das Jahr 1954 erlebt hat? (müsste ich mal nachschauen…) Oder gab es Ehrungen, aber man wusste zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Buches nicht mehr, wer sie erhielt, weil das Archiv in den letzten Kriegstagen zerstört worden war? Oder ist es einfach ein Platzhalter, weil man solche Ehrungen für die nächsten Jahre noch vorhatte, dieses Buch dann aber nicht mehr weiter führte?

die erste Eintragung im Buch
da meines Wissens manche dieser Namen 1927 noch häufig (stets?) anders geschrieben wurden, ist diese Eintragung höchstwahrscheinlich Jahrzehnte später erfolgt. Bemerkenswert ist insbesondere die Nennung von „Otto Wnendt“, der eigentlich Otto Wedowski hieß, seinen Namen aber (wie manch anderer auch) später „eindeutschte“ und sich fortan Otto Wendt nannte. Die Eintragung hier ist also nicht nur „spät“ sondern enthält möglicherweise zudem einen Rechtschreibfehler im Namen, was für so ein Ehrenbuch wohl eher unakzeptabel ist (weder bei Krein und Röwekamp, noch im „dicken Blauen“ findet sich die Schreibweise „Wnendt“ - bei Leszinksi („Westline-Serie“, 2004) allerdings schon…) - vielleicht wurde dieses Buch genau deshalb nicht weitergeführt, sondern eventuell sogar „sofort“ versteckt und durch ein korrigiertes Exemplar ersetzt?
(mberghoefer, Juni 2009)
Daten zum Buch:
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Titel: Ehrenbuch
Autor: FC Schalke 04 Preis: ein Einzelstück und wohl kaum verkäuflich… Einband: Leder |



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Ich vermute mal, Du hast es endlich geschafft und Dich in das “Allerheiligste” (das Vereinsarchiv) begeben. Sehr schön, dann kommt mit Sicherheit noch das ein oder andere Schätzchen ans Licht.
Dazu fällt mir Illuminati ein, da hat der Experte es auch bis ins Allerheiligste
(Archiv des Vatikans) geschafft. Aber Indiana Jones ist da auch eine angemessene Parallele. ;-)
Tolles Teil! Schick mal bitte die ISBN Nummer ;-)))))
Ich verstehe die Aufregung um den Namen “Wnendt” nicht. Es gibt heute noch viele Träger dieses uralten Namens. Er stammt aus Masuren, der östlichsten deutschen Provinz - heute würde man sagen: Bundeslandes.
Es waren die Nazis, die auf einer Eindeutschung dieses Namens auf “Wendt” drängten. Daher ist es gut denkbar, daß Otto Wnendt auf Grund seiner damaligen Prominenz im Ruhrpott einem besonderen Druck unterlag und er ihm nachgeben mußte.
Ich muß hier fragen, welche Namensschreibung wird für das Ehrenbuch verlangt bzw. ist diesem angemessen? Die masurische (altdeutsche) oder die der Nazis?
Antworten nehme ich gerne entgegen: reinhard@wnendt.de
Hallo Reinhard,
eine “Aufregung” gibt es hier nicht, vielmehr einen “Zweifel”. Im “dicken Blauen” zum 100jährigen Vereinsjubiläum taucht als Spieler kein “Wnendt” auf, sondern ein “Wedowski”, der sich in “Wendt” umbenannte. Dieses “Ehrenbuch” ist meiner Einschätzung nach 1954 erstellt worden, also knapp zehn Jahre nach “Krein”, der wiederum auch “Wendt” schrieb. Dass es damals und auch heute noch, auch in Gelsenkirchen, Familien mit Nachnamen “Wnendt” gab, ist klar. Nicht klar ist (mir) allerdings, ob es nun also ein Rechtschreibfehler ist oder nicht. Es ist nur eine Mutmaßung darüber, aus welchem Grund dieses Ehrenbuch nicht weitergeführt wurde - mehr nicht. “Aufregung” sieht anders aus :-)
beste Grüsse!
matthias