Eine Niederlage ist ein Unentschieden ist ein Sieg
Geschrieben von: Toko in 93er, Liga, U23 (570 views)
Preußen Münster - FC Schalke 04 II 4:1
Der Spielplan der 04. Liga wies für Freitag, 21.08.2009 19:00 h die Partie Preußen Münster : FC Schalke 04 II aus. Der in Münster wohnende Schalker Toko wollte die Chance auf den Besuch im Stadion an der Hammer Straße nutzen. Leider musste er eine Niederlage erleben. Aber lest selbst.
14:00: Freitag, Mittag. Das Essen in der Mensa Am Aasee schmeckt sehr gut. Der Karamellpudding mit Sahne ist das erste Highlight des Tages. Wieder zu Hause trinke ich noch nen Kaffee. Ich hab heute noch was vor.
16:00: Verdammt, ich merke: ich bin nervös. Warum eigentlich?
Gucke noch mal hier und da im I-Net vorbei. Muss feststellen, dass S04 die Nummerierung der glorreichen Derbysieger unterschlagen hat. Wäre nett, wenn das zu den Mannschaftsfotos noch nachgetragen würde. Oder hat die II. keine feste Nummerierung?
So helfe ich mir mit den Nummern zum Namen bei Herrn Berghöfers genialem Fotomaterial vom Derby aus. Geht doch. Nur mit dem Auswendiglernen, dat klappt auf die älteren Tage in der Kürze der Zeit wenig.
17:00: Bin bei unserem Gegner Preußen Münster auf der Homepage gelandet. Stimmt, die haben ja Grün-Schwarz-Weiß als Vereinsfarben. Das macht es erträglich.
Boa ey, satte 7 Ocken Fuffzig für’n Stehplatz vierte Liga! Hab Spaßeshalber mal die Sponsoren durchgezählt, komme auf 115. Ordentlich! Wie viele haben wir eigentlich?
(Im Zweifelsfall 43.000, nämlich alle Dauerkarteninhaber. :-)
Und obwohl ich jetzt seit über 20 Jahre in dieser Stadt wohne und schon öfters im Stadion an der Hammer Str. war, guck ich noch mal auffen Stadtplan, ob’s auch noch andere Wege gibt. Quasi direkt zum Gästeblock – ohne großen Kontakt zu den Gäste-, ach Quatsch Heimfans. (Ja, ja, wo ich bin is vorne. So is das.)
Da – ein Weg. Dat is gar nich soweit weg von Möllemann selig seine Stammkneipe.
Möllemann? Möllemann. Is vor sechs Jahren auffen Zentralfriedhof übergesiedelt. Dauerhafter Wohnsitz.
17:16: Da, die Glocken läuten. Dabei is et Freitagnachmittag und die Sonne scheint. Es sind gute 28 Grad inner Sonne. Schalker Bilderbuchwetter. Königsblauer Himmel. KönigPilsner gegen die Nervosität wär gez besser.
Bedingungen scheinen also ganz gut, anders als gestern beim Back- oder Hochofenwetter. Da hatten wir hier 37 Grad im Schatten. Und einem ganz heissen Wind. War schwer erträglich.
Gleich die große Frage: Und welchet Trikot nimm ich heute? Jau, nur nix falsch machen!
17:29: Lese noch auf der Preußen-Homepage, dass se heute ihre neue Tribüne einsegnen. So eine kleine Privatveranstaltung (?) mit 200 Gästen. Gestern war Bundes-Angie inner Stadt, Mitten auffem Domplatz. Keine Ahnung, warum sie die haben wieder ziehen lassen. Egal. Will mal hoffen, dass die Tribüne hält. Beim Neubau im vergangenem Winter/Frühjahr gab’s einen Einsturz.
17:37: Gleich geht’s los. Mit der Leeze, manche würden auch sagen, Toko, Du fährst doch bloß Rad.
17:40: Und meine Erwartung? Wenn ich ehrlich bin und ohne respektlos erscheinen zu wollen, wäre ich jetzt lieber kurz vor Sinsheim. Aber die Gesundheit! Also steht mein Besuch gleich unter den beiden Motten: Praxistest und Bericht für den geilsten Schalker Fußballblog wo gibt.
Na ja gut, und ich würde mich selbstverständlich freuen, wenn unsere beiden (Aushänge?)Teams ihre Siegsserien fortsetzten. Das kann gerne noch so gute (ob gut oder schlecht, dat is egal, Hauptsache jedes Mal drei Punkte für uns) 32 Spiele andauern bis zur ersten sinnfreien Niederlage. Aber ob es so kommt, weiss wahrscheinlich nur Mohammed oder Buddha oder Krischna oder jenes höhere Wesen, an das wir alle glauben.
18:10: Jetzt geht’s los! Ich trete aus der Haustür und will zu meinem Fahrrad greifen. Weg! Stimmt ja, das steht ja im Keller seit gestern Abend als das „Unwetter“ losbrach. Wetterberichte sind schon lange nich mehr das, was sie früher mal waren.
18:13: Die erste rote Ampel auf einer der Hauptverkehrsadern Münsters. Und selbstverständlich muss noch jemand bei Rot abbiegen. Und wie immer is mein Freund und Helfer gerade woanders. Gut, dass ich noch nicht „grün“ hatte.
18:23: Bis dato is die Radfahrt auf Parallelstraßen zur großen Hammer Str., an der auch beide Läden von Christian Pander liegen, ruhig verlaufen. Auf meinem Weg zum Stadion muss ich aber die Bahnlinie in die Heimat, also nach Schalke queren. Und ja klar, die Schranken sind unten. Erst kommt ein langer, elendig lauter Güterzug von links, dann folgt ein nach Münster HBF zueilender ICE-Hotspot von rechts.
18:26: Weiter geht’s.
18:27: Verfahren! Na so was, hier muss es doch weiter gehen, Park hin oder her. Na gut. Absteigen. Fahrrad die Treppe hochtragen und dann bin ich auch schon auf der Straße hinter dem Stadion. Geht doch.
18:33: Super Service: ich kann über den davor liegenden Parkplatz bis an die Gästekasse vorfahren. Da an dieser Stelle im Gästebereich im Stadion irgendwie gerade seit Anno Tobak (?) an den Gästeklos gebaut wird – später erfahre ich, dass das ganz bestimmt der nächste Bauabschnitt in der „Modernisierung“ des städtischen Stadions werden soll -, stelle ich mein Gaul am Zaun ab. Verbale Werbung beschallt den ganzen Bereich. Ah ja, die alte Gewerkschaftsforderung „Samstags frei für die Polizei“ ist hier in Münster bereits Freitags abends realisiert worden. Löblich, löblich!
18:34: Drei, vier Ordner gucken mich wie ein seltenes Tier an. „Tach, noch keiner da von uns?“ Launig begrüsse ich diese Ordner/innen und die Kassiererin. „Wer ist uns?“ „Na, wir Schalker“ „Doch, vier sind schon da.“ „Nein, fünf“, korrigiert die Kassiererin.
„Ich bin dann der sechste. Einmal Erwachsene.“ Auf den 10 Euro-Schein krieg ich 2,50 raus.
Nach langer Zeit komme ich mal wieder ohne Leibesvisite ins Stadion und Block. O.k., is auch kein Wunder, ich seh auch brav aus. :-)
18:35: Im Gästeblock. Dat is ja echt überschaubar. Aber meinse, da kennse einen von? Nö. Egal. Wat gibt’s denn hier für Bier? Pinkus, das wäre was. Wie unser Veltins, ne Privatbrauerei, nur aussem Kuhviertel in Münster Downtown. Der Wunsch bleibt Vater des Gedankens. Stattdessen Warsteiner. 0,4 für 2,80. Mit Alkohol, sofern man da bei Warsteiner von reden mag. Zweite Halbzeit weiss ich dann, man kann.
Die nächsten Minuten gucke ich mir von meinem Platz aus das Stadion näher an.
Da komm ich unweigerlich um den Vergleich zu früher nich rum. Früher, so vor 20 Jahren war ich zum ersten Mal hier. Damals, ich meine et war Aufstiegsrunde zur 2. Liga 1989 u.a. mit Münster und MSV Duisburg, da war das Rund gut voll. Stets an oder über 10.000. Und als die Münsteraner dann zwei Jahre zweite Liga spielten – zusammen mit uns und Meppen und so – da hatten se den drittbesten Ligabesuch zweitligaweit. Heute haut der Stadionsprecher irgendwann spät in Habzeit Zwei die sagenhafte Zahl 3.604 raus.
Unweigerlich ein Blick auf die neue Haupttribüne. Nich wirklich schön, dafür selten. Auf den ersten sieht sie ganz interessant aus. Doch mit dem zweiten sieht man besser, da stellt dann der geneigte Gästefan fest, dass die öffentliche Hand sich einmal mehr eine Sparversion geleistet hat. Die Stadt Münster, ihres Zeichens völlig verschuldet – Reichtum war irgendwann einmal zu Zeiten des Westfälischen Friedens – hat zwar ein Dach mit ordentlichen Stützen, eine Handvoll Logen und die obligatorisch gewordenen Plastiksitze schön in den Farben der Gastgeber, also schwarz-weiß-grün, gebaut, aber die Rückwände um den oberen Tribünenbereich trocken zu halten, einfach weggelassen. Es sieht also so aus, dass es auf der Tribüne gut kühl und zugig sein kann als auch bei entsprechendem Regen die Zuschauer dort nass werden. Da ist die Gegengerade schon etwas besser dran. Die haben sie endlich nach vielen, vielen Jahren - in denen mal um einen Stadionneubau am alten, mal am neuen Standort oder doch nur Renovierung gerungen wurde, äusserst und höchst provinziell und bei uns in GE alles unvorstellbar - auch überdacht, und natürlich auch die Rückwände weggelassen, aber das Dach ist ne Ecke niedriger aufgesetzt. Hat so ein bisschen was von der alten Bielefelder Alm, hier nur mit Löchsgens im Rücken. Schließlich haben sie diese Plakatwände im gesperrten weil baufälligen Kurvenbereich rechts vom Gästeblock entfernt. Vor gut drei Wochen war hier im Pokal die Berliner Werkself von Die Bahn zu Gast. Da waren hier angeblich gut 18.000.
Der Lautsprecher schreit mich an. Das is hier dermaßen und so was von laut und nervtötend, das grenzt an Körperverletzung. Drei Lautsprechermasten in einem normal großen Gästeblock, volles Rohr, volle Lotte beim Beschallen. Hei gib ihm, immer drauf aufs Trommelfell. Na herzlichen Dank aber auch! Nächstes Mal spreng ich zwei davon die Nacht vorher. Die sind laut, hässlich und ausserdem beeinträchtigen sie die Sicht aufs Spielfeld. Und dafür tut man 7,50 € aus. Und für Werbung, die mal wieder keiner braucht. ÄTZEND! Da lob ich mir unseren Arenawürfel. Aber gut, das is dann ja auch selbst und privat finanziert und Bundesliga. Hier is es 4. Liga. Is aber trotzdem viel zu laut. Man kann sich nur schreiend unterhalten.
18:40: Die Schalker Fanzahl im Block hat sich nahezu verdoppelt, wir sind jetzt schon fast 10.
18:45. Dietmar kommt. Na, wenigstens einen, den ich kenn. Ich erzähl ihm von meinen Gedanken. Schrieb ich das eigentlich schon, dass sich die Teams die ganze Zeit über eifrig beim Warmmachen waren? Komischerweise turnte sich die Heimmannschaft zu uns hin warm.
Dietmar is richtig praktisch veranlagt, das erste Bier steht flugs bereit.
„Schmeckt die Bartwurst hier eigentlich?“ Dietmar, der seine Fankarriere bei Preußen begann und Restgefühle so dann und wann durchblicken lässt: „Ich denk, Du bist Vegetarier.“ „Ja, schon. Aber Du weisst doch, ich brauch die Info für meinen Bericht.“ „Ja pass auf, dann schreib, die Bratwurst ist hier absolut genießbar.“ Dietmar murmelt irgendeinen Münsteraner Fleischbetrieb, dessen Name ich auch schon ma gehört und gleich wieder vergessen habe. BSE und Vogelgrippe sind mir völlig unbekannte Phänomene.
Der Lautsprecher unterbindet in einer Tour jede halbwegs normale Kommunikation.
Jetzt versteh ich, warum vor Inbetriebnahme der neuen Tribüne es eine Klage eines Anwohners gegeben hat. Das ganze endete mit einem Vergleich. Schade. Irgendwie sehne ich mich in diesen Momenten nach den alten Lautsprechern im Parkstadion, die in späteren Jahren kaum ein Mensch verstehen konnte. Und alles nur wegen eines klagenden Anwalts. Mann, wat is dat lange her!
18:53: Teile unseres Blocks, d.h. es sind 04 stramme junge Blaue, grüßen die Mitglieder der Riege der Pfeifenköppe: „Fußballmafia DFB!“ Der Essener Schiri is ziemlich souverän und grüßt kurz winkend. Sein Assi einige Augenblicke später auch. Reschpekt! Nein, wirklich.
Später in der Halbzeitpause muss irgend so ein Vertretertyp jüngeren Alters im Zweireiher draußen vorm Rasen an unserem Block vorbei – und zeigt uns den Stinkefinger. Das war ziemlich uncool. Tja, bei Preußens liegen Manchem die Nerven blank.
Die Aufstellung des Gelsenkirchener Gastes. „Hi-Ha-Höre- Schalker Amatöre“.
Wir spielen heute ganz in Blau und mit ohne Gewähr auf Richtig/Vollständigkeit
1: Amsif, 2: Pachan, 3: Tumanan, 4: Mimbala, 5: Kraska, 6: Kühn, 7: Kilian, 8: Trisic, 9: Erwig, 10: Wassey; 11: Schmitz.
Auffe Bank sind: 22: Unnnerstall, 13: Matsunaga, 14: Melchner, 15: Lapaczinski, 16: Müller, 17: Prskalo (einen hab ich vergessen, da hat der Stadionsprecher genuschelt.)
18:57: Fast sind alle Schalker Stehplatzgänger da, Spiel kann losgehen. Dietmar und ich gucken in den königsblauen Himmel. Da sacht er: „Tja, Möllemann hat seinen letzten Sprung gehabt.“ „Stimmt, is gez auch schon sechs Jahre her. Sach ma, warum springt denn heute keiner, wär doch geil, wie früher im Parkstadion, Spielball bringen.“ „Jau, Wetter is gut.“ 4. Liga eben. Nee, Preußen Münster.
18:58: Die Mannschaftsaufstellung des Heimteams: 1: Arschloch, 2: Arschloch, 3: Arschloch, usw. O.k., wenig nett, aber ich geb nur das wider, was ich gehört habe.
18:59: Die Protagonisten laufen ein.
Ich zähl derweil mal im Block nach, wie viele wir sind. Ich komm auf gut 300,- €. Also werden ca. 40 Schalker optimal von einer Würstchenbude und einem Getränkestand versorgt.
Hm, ob sich die Zypernfahrer vorm guten Jahr auch so gefühlt haben? Leider is von unserem Vorstand irgendwie keiner da, um was auszutun. Na wenigstens unser Manager sollte ab und an auch mal Spiele des Unterbaus live verfolgen. (Das is doch jetzt ein Brüller, oder?)
19:00: Anpfiff. Anstoß Blau. Aus unserer Sicht spielen wir von rechts nach links, stürmen zunächst auf die Fankurve der Gäste, äh des Heimteams. Und gleich in Minute 1 fast das erste Tor. Aber Kühn schießt zu unplatziert. Sieht aus 100 m Entfernung so aus. Der Goalie der Gäste liegt unten und hat den Ball.
Die nächsten Minuten, ja eigentlich die ganze erste Hälfte zeigt sich, warum Münster bis dato am Tabellenende stand: Breitbandfußball. Zu umständlich, zu quer, zu ungenaue Abspiele, immer mal wieder unnötige Ballverluste. Und dennoch ist es auf eine ganz eigene Art ein intensiv geführtes Spiel. Es gibt kein Abtasten, beide Teams kennen sich. Es geht munter zur Sache. Besonders im Blickpunkt unsere 10 Wassey, der letztes Jahr noch beim Gegner spielte.
Spielt in einigen Szenen aufreizend lässig.
Unsere Blauen zeigen sich insgesamt sehr Zweikampfstark. Gewinnen viele Kopfballduelle. Markant dabei: Unsere 4, Mimbala Insgeheim frag ich mich, wie lange sie das nach dem Derbysieg vom Montag durchhalten werden. Denn auch bei uns sind die Abspiele ungenau.
Es gibt ein, zwei Chancen für uns, leider nichts Ernstes. Um die 28. Minute rum fangen die Heimfans zu pfeifen an. Das Münsteraner Mittelfeld hat ein Problem. Dennoch in der 33. Minute die erste Großchance für Münster. Amsif klärt zuverlässig zur Ecke.
Die sich in derselben Kurve in zwei Gruppen in einiger Entfernung zueinander versammelten Münsteraner Ultras? Supporter? haben eine eigene, komische Art des Anfeuerns. Sinngemäße Zitat, das ich hören muss. „Mann, is dat schwul.“ Ich möchte es so sagen, ich finde das sehr farblos. Is eben so, wie das Team spielt, das sie unterstützen.
Währenddessen hat sich zwischen unserem und dem benachbarten Block der Gegengerade ein passables, virales Hauen und Stechen entwickelt. Beide Seiten tauschen Nettigkeiten, pflegen Vorurteile und besingen die eigene Stärke. Dabei ignorieren die Münsteraner, dass „ihr seid Scheiße wie der BVB“ eigentlich unser Text ist, zu dem wir das ausschließliche Urheber- und Aufführungsrecht haben. Aber gut, wie sagen die Kölner in der hochdeutschen Fassung, man muss auch geben können. Oder so.
Das Spiel geht so dahin. Dann is pünktlich Halbzeit. Gab auch keinen wirklichen Grund groß nachspielen zu lassen. Bis auf eine Verletzung unseres 6ers. Aber o.k.
Die Lautsprecher treten wieder in Aktion und wir erst mal aus. Willkommen im Dixiland. Aber warum beklage ich mich eigentlich? Da wird seit Jahren der ureigene Charakter der Stadt durch die regierenden Parteien nachhaltig negativ verändert, öffentlicher Raum wird vernichtet und zu betoniert, danach dann verkauft. Warum soll es bei den beiden sportlichen Aushängeschildern der Stadt anders sein. Neben dem Preußenstadion steht das „Volleydrom“, das ist die Sporthalle „Berg Fidel“. Dort tragen die Bundesligavolleyballdamen vom USC Münster ihre Spiele aus. Münster ist zwar bundesweite Volleyballhochburg was das Zuschauerinteresse betrifft. Aber ist die Stadt deswegen in der Lage, eine Halle zur Verfügung zu stellen, die nach den Regeln die richtige Höhe vorsieht?
Zum Stadionhickhack s.o.
Die Werbung nervt. Als wir uns schließlich am Bierstand wieder finden, analysieren wir, dass es ein Spiel zweier gleichstarker Teams zu sein scheint. Wir werden mit dem Abstieg dieses Jahr nichts zu tun haben; aber warum Preußen meint aufzusteigen, bleibt uns verschlossen. Dietmar und ich tauschen mit dem Bierkeeper noch ein paar nette Worte. Dabei erfahre ich, dass die Preußen-Fans untereinander heillos zerstritten sind. Das erklärt vieles.
Pünktlich zur zweiten Halbzeit stehen wir am Wellenbrecher. Nebenan im Block sind eine handvoll Preußen Alt-Hools aufgetaucht. Da aber zwischen unserem und dem anderen Block ein kleiner Sicherheitsbereich mit Zäunen und eigenen Türen eingerichtet ist, müsste es bei der verbalen Form der Auseinandersetzung bleiben. Tut es auch.
46. Minute, gefährlicher Angriff der Heimmannschaft – Blauer Gegenangriff – Ecke.
Wir schreiben die 47. Minute. Schöne Ecke von Wassey in Richtung 5 m Raum, ein Blauer verlängert mit dem Kopf in die Mitte, da steht Kraska goldrichtig und wuchtet köpfig unhaltbar die Pille zur insgesamt nicht unverdienten Führung in die Maschen.
Das sieht doch eigentlich gut aus! Aber so richtig wohl ist mir bei dem Gedanken nicht.
Irgendwie spielen Unsere befreiter. Und marschieren weiter nach vorne.
Etwa in der 55. Minute. Eine nächste große Chance. Schuss aus etwa 16 m, der knapp am Tor vorbei streicht. Preußen hat immer noch nicht viel entgegenzusetzen.
In der 57. Minute dann ein Münsteraner Angriff über unsere rechte Abwehrseite. Unsere Nr. 2, Pachan, schreibt in der Situation gerade ne Ansichtskarte nach Hause, steht meterweit entfernt vom nahenden Unheil. Jedenfalls darf sein Gegenspieler ungestraft ungestört flanken. Und das kann der. Der timet die Flanke derart genau, das sein Mitspieler, ein eingewechselter sprungstarker Brasilianer in der Szene nur noch höher als sein blauer Abwehrmann springen muss, um den Kopfball aus dem 5m-Raum sicher in die von ihm aus gesehen rechte Torecke unterzubringen. Keine Chance für Amsif, den Ausgleich zu verhindern.
Ein Ausgleich aus dem Nichts. Dieses Tor lag nicht in der Luft. Es war aber möglich wegen individueller Fehler.
Und Pachan ist in dieser Phase wohl unsere Schwachstelle, denn kurz nach dem Ausgleich fast die Führung für Münster. Der neue Mann im Angriff bei Münster scheint unserer Abwehr Probleme zu machen. Und dann auch das Derby. Jetzt merkt man einfach, dass ein Ruhetag fehlt. Münster nutzt seine Chance und geht in Führung. 66. Minute.
Was machen wir? Wechseln, die 10, Wassey raus, die 17, Prskalo rein.
Und ich meine er war es auch, der Minuten nach der Führung beinahe den Ausgleich macht. Beinahe zählt nichts. Bei unseren Angriffen ist zu sehen, dass viele Spieler mit aufrücken. Geht’s dann zur Verteidigung des eigenen Tores zurück, laufen einige hinterher. Dazu kommt, dass unsere Innenverteidigung die Lufthoheit verliert. Folge: Lattenkracher von Münster etwa 74. Minute. In der 75. wird dann endlich unser platter Außenverteidiger Pachan gegen unsere 13, Matsunaga ausgewechselt. Kurz danach der dritte Wechsel: die 15, Lapaczinski kommt für unsere 6, Kühn.
Trotz der Wechsel hat Münster das Spiel im Griff. Die Kräfte bei uns lassen nach, auch wenn sie weiter nach vorne spielen wollen. Unsere Spieler vermitteln einem das Gefühl, es muss doch bald Schluss sein. Da fehlen aber noch 10 Minuten. Jetzt spielen die Preußen ihr Plus an Kraft aus. 81. Minute 3:1, 86. Minute 4:1. Ich ertappe mich dabei wie ich sage, das wird jetzt böse. Ich fürchte wir kriegen das halbe Dutzend. Aber dann ist das Spiel pünktlich zu Ende.
20:47: Die Blauen sind rappzapp in den Katakomben verschwunden.
20:48: Der Block leert sich. Dietmar sagt Tschüß, ich gucke noch einen Augenblick den Feierlichkeiten auf dem Spielfeld zu. Dann geh ich auch. „Bis nächstes Jahr“, verabschiede ich mich bei Bierkeeper und Ordnern. Denn ich bin mir sicher, dass beide Teams auch nächstes Jahr in derselben Liga aktiv sein werden.
20:51: Bevor ich mich auf die Leeze fleeze, trinke ich noch schnell mein Bier aus und fasse zusammen: Dank der superguten Terminplanung fehlte unserem Team ein oder zwei Ruhetage. Es ist schon ein krasser Unterschied, vor gut 20.000 einen Derbysieg an der Grenze der eigenen Leistungskapazitäten einzuspielen, um dann bereits am vierten Tag danach beim nächsten Aufstiegsaspiranten antreten zu müssen. Es sollte eine Regelung „Derbypartien“ geben, nach der der Derbysieger sechs Tage Pause hat. Irgendwo haben unsere das Spiel bestimmt im Kopf gehabt. Solange wie es ging, waren sie gleichwertig. Die Führung kam zu früh, der Ausgleich fiel aus dem Nichts. Da die eigenen Chancen ungenutzt blieben, war es am Ende nur folgerichtig, wie das Spiel ausging.
Als ich schon ein Stück weg vom Stadiongelände bin, höre ich die Lautsprecher schreien: Hoppenheim – Schalke 0:0.
21:08: Kurz vor Ende der ersten Halbzeit in Sinsheim erreiche ich das „Uferlos“ am Aasee. Da haben sie seit Jahren alle Punkte, alle Tore auf Großbildleinwand.
Ich erlebe die neue Qualität der Medienhetze gegen uns, die glücklicherweise z.B. Manager Schindelmeiser von Hoffenheim unterläuft. Dann festigt Chefreporter Marcel R. seinen Spitzenplatz auf meiner persönlichen Abschussliste der am best gehassten Sportreporter dank seiner chronisch tendenziösen Live-Reportagen gegen uns. Man muss uns, man muss Schalke nicht mögen. Aber man darf gerne neutral kommentieren. Doch ja, darf man. Yes, you also can, Marcel!
Und auch bei dem Remis unserer Ersten habe ich den Eindruck, dass uns ein Ruhe-, äh Trainingstag am Mount Magath fehlt. Was ist das für eine Terminplanung zunächst die letzte Partie des Vorspieltags bestreiten zu dürfen, nur um am nächsten Spieltag das erste Spiel sein zu müssen. Aber vermutlich müssen wir ewig dankbar sein, dass wir letztens des Samstags in Nürnberg spielen durften. Und dann auch noch um 15:30 h.
Im Übrigen weiss ich jetzt auch, warum Hildebrand nicht mehr in der Nationalmannschaft spielt. Oder gibt’s hier jemanden, der ihn im Interviewdoppel mit Manu bei Sky nach dem Spiel verstanden hat? Eben. So wird’s dem Bundesjogi auch gegangen sein.
Samstag, 22.08.: Trotz Niederlage und Remis hab ich doch noch einen Sieg zu feiern. Mein Testlauf war erfolgreich. Erste Mal nach Monaten wieder bei einem Spiel 90 Minuten gestanden. Eigentlich ohne Probleme. Auch am nächsten Tag. Es geht aufwärts.
Und wer einen Ausschnitt von unserem Block bzw. mich im weißen Trikot („Ins Stadion gehn, mit ´nem Pappbecher Bier in der Nordkurve stehen, dat is Schalke 04“) sehen will, der klickt bei westline diesen Link an:
Hi-Ha-Höre-Schalker Amatöre!
Grüße an alle Mitguckende aussem Block!
Glückauf aus Münster
Toko



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Feiner Bericht ! Sehr schön gemacht und dann auch unter dem Einfluß von Warsteiner. Das Du allerdings Deine Nerven mit Duisburger Bier beruhigen wolltest,
kann ich nicht wirklich nachvollziehen ;-)
@awe,
das is mehr der Lyrik oder Prosa geschuldet. :-)
Ein Bericht wie er lebendiger nicht hätte geschrieben werden können !
Toko “live” und Toko “auffem Papier” ist immer wieder ein Erlebnis -
quasi Schalke pur ! Das Beste an dem Bericht ist allerdings die Tatsache,
dass dein Stehplatz im Tempel zukünftig wieder “belegt” sein dürfte !
Sehr schön :-)
Muss wohl auch mal wieder nach Münster, dass die Gegengerade da jetzt überdacht ist, das verblüfft mich. Aber Zäune wie sonst nur in Wuppertal werden sie schon noch haben oder?
Goil !
Danke !
Habe den Bericht leider gerade erst entdeckt.
Informativer als alles, was ich sonst gelesen habe.
Ein Schreibstil, an dem auch Horst Schlämmer seine Freude hätte.
Fühle mich bewogen für Weiteres dieser Art meine Teilnahme am Eintrittskarten-Sponsoring anzubieten oder vielleicht darf ich ja mal mitkommen.
Hey Toko!
Auf den tip von Dietmar habe ich mir den genialen mal durchgelesen.Sehr informativ und gut geschrieben!An die 2-Ligazeit der Preussen habe ich auch noch die ein oder andere schöne Erinnerung:).Münster 06 ist ja auch für mich sowas wie mein Heimatverein,nur schade das es die Preussen nicht gebacken bekommen und höherklassig spielen.
Es grüsst Effe von der einzig”wahren”Borussia aus MG!!!
Habe gerade erst den Bericht entdeckt! Konnte leider nicht dabei sein, aber es ist, als wenn ich dabei gewesen wäre. Super geiler Bericht über das Spiel. So genau beschrieben! Vielen Dank! Was mir aufgefallen ist, von Pachan warste nicht wirklich angetan, der hat ja wohl Postarten nach Hause geschrieben, wie Du sagst! Er ist doch quasi Profi und nicht gut Deiner Meinung nach!? Oder en schlechten Tag? Kann ich jetzt leider nix zu sagen!
Aber ich find es toll, dass man informiert ist, wenn man nicht dabei sein konnte.