FC Schalke 04 – SG Eintracht Frankfurt 2:0

Pünktlich 7.00 Uhr geht’s mit dem Zug von Magdburg los. Noch 13½ Stunden bis zum Anpfiff. Das dürfte, die schlimmsten Bahnkatastrophen mit eingerechnet, reichen. Na gut, die Sache sieht eigentlich ganz anders aus: Ich fahre erst einmal nach Mannheim zum Kongress und dann weiter nach Gelsenkirchen. Beim Umstieg in Braunschweig steige ich den Zug ein, der uns dann in einer Woche direkt nach Bern bringen soll. Mensch, ich freue mich schon richtig drauf. In Mannheim kam ich dann halb Zwölf an und fuhr zum Kongress und holte meine Unterlagen ab. Im Anschluss bin ich dann schnell zum Hotel gefahren. „Schnell“ kann man eigentlich nicht sagen: das Hotel lag in Sandhofen und die Strapazenbahn war bis dahin ziemlich lange unterwegs. Ich glaube fast, dass Sandhofen gar nicht mehr zu Mannheim gehört, sondern schon zu Frankfurt, soweit war das von der Innenstadt weg. Im Hotel war mein Zimmer natürlich noch nicht fertig. Nichtsdestoweniger habe ich schon einmal eingecheckt. Ob ich noch einen Weg habe, fragte die Tante an der Rezeption. Jo, habe ich – ich komme erst morgen gegen 4.00 Uhr wieder. Ich muss noch zum Fußball. Bis dahin wird das Zimmer ja wohl fertig sein. Also stellte ich mein Gepäck ab und fuhr von Frankfurt-Sandofen wieder zum Hauptbahnhof nach Mannheim. Eine paar seltsame Blaue liefen dort schon rum. Ach nee, die treiben einen anderen Sport und wollten zum Eishockey (sprich -ai). „Eishockey, Eishockey, Eishockey spielt nur der Schalker Hai“ dachte ich nur so bei mir. Richtige Blaue waren dann aber doch noch im Zug.

In Gelsenkirchen führte mich der Weg zunächst erst einmal nach Hasan. Hasan freute sich wie immer und wir quatschten eine Weile. So richtig los war noch nichts. Ich bestellt eine kleine Pizza „26a“ und ein Veltins, wie immer halt. Wo denn die Frau sei, fragte er. Freitags ist doch immer doof, man kommt doch mit dem Zug nicht mehr weg und mit dem Auto ist es einfach nur ätzend. Und ich bin nur hier, weil ich eigentlich in Mannheim bin. Dann kommt auch schon der eine „Zwilling“ von den Düsseldorfern. Wo ist denn die Frau? Wo ist denn dein Kollege? Der wurde am Herzen operiert und liegt noch in Bad Oyenhausen in der Klinik. Ach, ist das alles aufregend. Dann kommt auch noch Sabrina reingestolpert und Marc. Ich mache mich alsbald auf den Weg zum Platz. Die 302 ist noch gut leer und die Fahrt dann recht entspannend. Der Abend wird ja noch lang. Ich vertreibe mir die Zeit noch am Schalker mit Handbier, aber so richtig was los ist auch nicht. Irgendeine der Jugendmannschaften (Matthias hätte sie natürlich erkannt…) trainiert dort gerade. Sie üben herrlich, wie man den Torwart anschießt. Mensch Kinders, macht’s doch nicht den Großen nach. Das Tor ist so groß und der Schnapper noch so klein und die treffen den Kasten einfach nicht. Später gehe ich dann rüber zum Platz. An der Fanmauer sehe ich auch keinen Bekannten, so dass ich schnell durch die Drehkreuze schlüpfe. Ich bin immer wieder fasziniert, dass es völlig ausreicht, wenn man sein Portmonee mit dem Chip drin vor das Lesegerät hält und das Tor sich dann öffnet. Wie immer gehe ich erst einmal in Block B und trinke einen Kaffee. Alles so wie immer. Von den Frankfurtern sind noch nicht viele da. Die stehen wohl noch im Stau. Asamoah steht an der Mittellinie, quatscht und scherzt mit zwei Frankfurtern, während sich die anderen Blauen warm machen. Na, das wird dann wohl heute nichts… Mit noch einem Bier auf der Faust gehe ich dann rüber in den Block I. Gleicher Platz wie immer. Die SGE hat heute aber nicht viele Leute mitgebracht. Na ja, es ist halt Freitagabend.

In der ersten Halbzeit konnte man unser Spiel schon wieder voll vergessen. Wir sind zwar deutlich besser als die Frankfurter, aber so richtig überzeugend ist das trotzdem nicht. Okay, so gegen Ende der Halbzeit haben wir ganz gute Chancen. Mensch Heiko, der Ball musste doch reingehen. Riesenchance. Auch Bordon und NU-TEL-LA treffen die Kiste einfach nicht. Es ist schon wieder zum ausrasten. Kenia und Höwedes gefallen mir ganz gut, Westermann sowieso. Und NU-TEL-LA hat die Harre schön und läuft vorne rum wie Falschgeld. Der Frankfurter Schnapper hat sich wohl verletzt und wird zur Halbzeit ausgewechselt. Das Spiel wird nun etwas besser. In der 58. Minute wird Kenia ausgewechselt. Ich hätte NU-TEL-LA ausgewechselt, aber ich habe ja keine Ahnung vom Schießball. Für ihn kommt nun Asamoah. Mensch, es ist immer noch kein Tor gefallen. Macht hin Jungs, ich muss doch gleich weg zur Bahn und dann zum Zug. Da ich heute noch nach Mannheim zurück musste, muss ich eher abhauen, um den Zug in Gelsenkirchen und vor allen in Essen noch zu bekommen. Na ja, da habe ich heute halt auch mal eine 80-Minuten-Karte gekauft… Immer wieder schaue ich auf die Uhr, um die Bahn nicht zu verpassen. Den laufenden Angriff nehme ich noch mit. Tor!. 1:0 per Kopf durch Asamoah (66.). Die Erde bebt und das Stadion rockt. Mensch, was habe ich mich für Asamoah gefreut. Was haben die Leute im letzten Jahr über ihn gemeckert. Der Schreihals Martin hatte sich hier im Block I vor lauter meckern gar nicht mehr eingekriegt. Letztes Jahr stand Asamoah auf der Abschussliste und nun ist er fast wieder Stammspieler geworden. Zumindest macht er seine Tore. Opa Asamoah. Rentner Asamoah. Nuspli. Oder wie heißt der NU-TEL-LA-Ersatz? Im wahrsten Sinne des Wortes… Ach ist das schön hier und jetzt. Apropos „jetzt“: Jetzt muss ich aber los. Schnell oben auf der Treppe vor dem Ausgang umgedreht und innerlich noch mal den Jungs dort unten gewunken. Als ich dann draußen war, war ich ziemlich entsetzt, wie viele Leute hier rumstehen oder sturztrunken sind. Die Tore an den Drehkreuzen sind noch nicht offen, so dass ich durch eine kleine blaue Stahltür gehen musste. Rums. Die Tür ist wieder zu. Ein Gefühl, als ob ich rausgeschmissen wurde. Da das Dach der Halle heute geschlossen ist, hört man vom Platz nicht viel. Fußball ist eine Freiluftsport, denke ich nur so. Das zweite mal war ich entsetzt, als ich die vielen Leute an der Straßenbahn sah. Irgendwie mussten die heute alle noch zum Zug. Irgendwo unterwegs, ich glaube, es war an der Haltstelle Uechtingstraße, stiegen drei Herren ein. Die sind aus einer Kneipe rausgeflogen, es war wohl das Anno 1904. Der eine war zweimal so groß und dreimal so schwer wie ich. Das kleine „H“ am Revers hatte ich schon entdeckt. Hustensaft wird es wohl nicht bedeutet haben. Erst später habe ich dann auch die T-Shirts entdeckt: Adler-Front. Bingo. Stress gab es nicht. Die Drei haben sich gefreut, dass es Stress mit Streit gibt. Jones kam gar nicht so schlecht weg, komisch Frankfurter. Plötzlich Jubel vorne in der Bahn. 2:0 und das Spiel ist aus.

Am Bahnhof ist noch alles ruhig und ich habe meinen Zug noch rechtzeitig erwischt. Die drei von der Adler Front waren auch wieder dabei. Die wollten noch nach Duisburg – der Meidericher SV hatte ja heute auch gespielt. MSV & SGE, da war doch mal was… Ein Blauer im Zug hatte sich mit den Frankfurtern „angefreundet“. Es wurde immer lauter und der eine von den Adlern war schon ganz aufgedreht. Es reicht ja manchmal ein kleiner Funke aus, und die Situation kippt. Ich war dann froh, dass ich in Essen umsteigen musste. Der Anschlusszug nach Mannheim hatte dann natürlich wieder Verspätung. Die Strapazenbahn in Mannheim werde ich dann wohl verpassen. Mensch, es ist mitten in der Nacht und er Zug ist ziemlich voll. Wo wollen die den alle hin? Eine illustre Herrengesellschaft beschallte den Wagen mit Rockmusik. Das war ja nicht schlecht, aber eigentlich wollte ich schlafen. Na, dann eben nicht. Auf den Gleisen in Mannheimer Hauptbahnhof hatten sich einige Nachtzüge getroffen. Unter anderem auch einer der russischen Eisenbahn. Moskau war das Ziel. Na ja, für mich heute nicht mehr. Ich wollte nur noch einfach in mein Bett. Die Straßenbahn war natürlich schon weg, so dass ich dann mit dem Taxi nach Frankfurt-Sandhausen gefahren bin. Der Portier im Hotel hatte nicht schlecht geguckt, als ich dort aufgetaucht bin. Als erstes schaltete ich den Fernseher: tatsächlich 2:0 für uns, Platz 3. Ach ist das schön. Kurz vor vier Uhr war ich dann im Bett. Schnell noch eine Mütze voll Schlaf. Acht Uhr bin ich dann wieder aufgestanden, weil ich zehn Uhr im Kongresszentrum sein wollte. Harald zur Hausen, Nobelpreisträger für Medizin 2008, kam und berichtet in der Keynot Lecture über seine Arbeit. Ein echter Schalker Jung’. Na ja, ob er ein Schalker war oder ist, weiß ich nicht. Jedenfalls wurde er in Gelsenkirchen geboren. Da schließt sich der Kreis wieder. Und das S04 blitzt heute doppelt schön von meinem Revers.

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