D.Brenner: Neues aus der Fankurve
Geschrieben von: mberghoefer in Bücher, Filme, usw (514 views)
“Wie Ultras und andere Fangruppierungen die Fankultur verändern“, eine wissenschaftliche Hausarbeit eines Fans von Eintracht Frankfurt.
162 Seiten hat das Werk, zieht man Inhalts-, Abbildungs-, Quellenverzeichnis und leere Seiten ab, so verbleiben etwa 130 Seiten Text, etwas über die Hälfte davon befasst sich mit der Einordnung und historischen Entwicklung der Fankultur, die letzen knapp 60 Seiten dann mit der „empirischen Untersuchung“, die hauptsächlich aus der Auswertung selbst geführter Interviews mit „Experten“ (also Fans aus der Eintracht-Kurve) besteht und mit Informationen von Webseiten, beispielsweise des Vereins oder der Ultras usw, angereichert wird. Die Interviews selbst werden dabei nicht dargestellt, sondern man findet in den diversen Kapiteln zu „Wandel der Fanszene“, „Verhältnis zur Kommerzialisierung“, „Verhältnis zur Eventisierung“ usw immer nur einzelne Zitate aus nicht weiter gekennzeichneten Interviews. Weder ist dem Leser dabei unbedingt klar, aus welcher Frage sich dieses Zitat entwickelte, noch inwiefern der zitierte besonders kenntnisreich antworten würde, noch, welche der anderen Zitate vom selben Befragten stammt. Das macht es dem Leser unmöglich, die Relevanz solcher Zitate einzuschätzen - aber das übernimmt der Autor dann ja durch seine Auswahl.
Störend wird beim Lesen empfunden, dass immer wieder Dinge wiederholt und zusammengefasst werden. Vorm Kapitel wird erklärt, was kommt. Im Kapitel kommts dann wirklich, und in der Zusammenfassung wird nacherzählt, was im Kapitel stand… Nicht genug, gibt es außerdem noch eigene Kapitel, die sich „Zwischenfazit“ und „Schlussbetrachtung“ nennen, und in denen sich erneut die wichtigsten Aussagen (oder: „Erkenntnisse“) wieder finden. Es handelt sich hier um eine wissenschaftliche Arbeit, vielleicht muss das ja so sein - insgesamt scheint es mir allerdings, als wäre das Buch auch gut und gerne mit weit unter 100 Seiten ausgekommen, würde man diese Wiederholungen und die Kapitel weg lassen, in denen beschrieben wird, wie die Kapitel aufgebaut sind oder in denen nacherzählt wird, dass man im Studium gelernt hat, dass Interviews wichtig wären.
Insgesamt, lässt man den durch den wissenschaftlichen Rahmen holprigen Aufbau, Inhalt und Stil beiseite, ist „Neues aus der Fankurve“ eine ganz passable Zusammenfassung dessen, wie sich Fankultur rund um Fußball über die Jahrzehnte so entwickelte und wie sie in diversen Publikationen eingeschätzt wird - in manchen Kapiteln reiht sich Quellenzitat an Quellenzitat, man erhält also wirklich einen guten Überlick über das, was früher schon geschrieben und gedacht wurde. Wirklich „Neues aus der Fankurve“ allerdings findet man kaum. Gemeint ist damit wohl der Wandel von der Fanclub/Kutten-Szene zur Ultra-Szene, die es ja nun schon seit über zehn Jahren gibt, und die auch in Deutschland offenbar Tendenzen zu „mehr Gewalt“ und „weniger Selbstkritik“ zeigt.
Für jemanden, der mit der Fanszene zu tun hat - also beispielsweise für Fans selbst, insbesondere Stadiongänger, wird dieses Buch kaum Unbekanntes liefern, aber als Überblick ganz ok sein. Wer sich allerdings gar nicht oder nur oberflächlich mit Fanszenen befasste - und dazu gehören erschreckend oft beispielsweise auch Sportreporter oder Ordnungskräfte, die ja an und für sich sehr wohl damit zu tun haben sollten - für den wird dieses Buch wirklich einiges Neues liefern und vielleicht ein bisschen Verständnis oder doch zumindest Erkenntnis vermitteln.
(mberghoefer, Dezember 2009)
Daten zum Buch:
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Titel: Neues aus der Fankurve
Autor: David Brenner Preis: 24.90€ ISBN: 3828899161 Erscheinungsdatum: 2008 Umfang: 162 Seiten Abbildungen: ein paar Fotos und Grafiken Einband: Paperback |




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