“Torwort-Geschichten über den Fußball“ nennt der Herausgeber diese Sammlung von Kurzgeschichten, die sich laut Untertitel mit „lästerndend Kiebitzen, spielentscheidenden Stadionwürsten und betrunkenen Vorstoppern“ befassen. Natürlich aber auch noch mit viel mehr.

25 Geschichten sind es insgesamt, die kürzeste schafft nichtmal eine Seite, die längste bringt’s auf 13. Sieben Stories liefert Sascha Theisen selbst, der ansonsten die „Torwort“-Veranstaltungen auf die Bühne bringt, bei denen Fußballthemen live gelesen und besprochen werden. Wer auf einer solchen „Torwort“-Veranstaltung mal auftrat, der hatte Chancen, hier im Buch mit einer Geschichte vertreten zu sein, und so finden sich als Autoren beispielsweise Stefan Barta, Ben Redelings, Fritz Eckenga, Philipp Köster, Axel Formeseyn, Jens Kirschneck oder Daniela Schulz.

Man hat die knapp 160 Seiten ziemlich rasch gelesen, und wenn man auch sonst viel über Fußball liest, wird man immer wieder über bereits Bekanntes stolpern - die Geschichten der verschiedenen „11Freunde“-Schreiber beispielsweise gabs schon im Magazin oder fanden sich in eigenen Büchern, den Beitrag von Ben Redelings fand man schon in dessen Ende 2008 erschienenen Buch, und so gibt es wohl noch weitere wiederverwertete Texte. Das ist ein bisschen schade, aber höchstwahrscheinlich bleibt für jeden Leser auch einiges Neues.

Da die Themen und Schreibstile sehr unterschiedlich sind, werden wohl auch nicht alle gleichermaßen gefallen - ich fand eine Handvoll geradezu langweilig und trivial, andere wiederum sehr witzig oder pfiffig oder clever oder einfach nur gut geschrieben. Peter Balzlis Leidensgeschichte als Fernsehreporter, der in Brasilien „Stimmung“ zur WM 2006 einfangen soll, sticht für mich deutlich heraus, ist einfach nur großartig. Daneben gefällt die Redelings-Geschichte vom Ausflug zum „Torwort-Abend“ mit Willi Landgraf auch beim wiederholten Lesen wieder.

Alles in Allem ist „Nach vorne!“ ein ganz nettes kleines Lesebuch mit Hochs und Tiefs, wie man’s aus nem Fußballspiel auch gewöhnt ist.

(mberghoefer, Januar 2010)

Daten zum Buch:

Titel: Nach Vorne!

Autor: Sascha Theisen (Hg.)

Preis: 9.90€

ISBN: 3895337137

Erscheinungsdatum: 2010

Umfang: 160 Seiten

Abbildungen: keine

Einband: Taschenbuch

6 Antworten zu “S.Theisen(Hg): Nach vorne!”
  1. Stehplatz sagt:

    Sorry - aber das Buch kommt etwas zu schlecht weg. Hab´s auch gelesen und fand keine Geschichte wirklich trivial oder langweilig. Wo Du Recht hast: Der Stimmungsbericht von Peter Balzli ist genial. Habe mich weg geschmissen vor lachen.

  2. mberghoefer sagt:

    Natürlich sind die Geschmäcker verschieden, “Stehplatz”, und jeder ist gerne eingeladen, seine eigene Ansicht zu einem von mir rezensierten Werk mitzuteilen. Find ich gut und freut mich auch, dass du’s getan hast.
    Um meine Anmerkung zu “trivial oder langweilig” mal näher zu beleuchten: Ich fand gleich die erste “Geschichte” trivial, nicht nur weil sie nicht mal eine Seite füllt, sondern weil darin erzählt wird, dass jemand, der sich aufregt beim nächsten Spiel doch wieder da sein wird (wenn ich mich recht erinnere), und das fand ich eben trivial. “Langweilig” wirds mir immer, wenn jemand hundertfach gelesene Zitate zum hundertundersten mal wiederholt und die einfach mit ein paar Zwischensätzen verbindet, so wie’s im Beitrag von P.Köster passiert.
    Aber wie gesagt: das muss ja nicht jedem so gehen.

  3. Meli sagt:

    Ich glaube das liegt einfach daran, dass Matthias definitiv zuviele Fußballbücher liest… ;)
    Ich kenne das Gefühl auch manchmal, wenn man, so wie ich zum Beispiel, Goosen und Redelings ne zeitlang relativ dicht nacheinander gelesen hat und dann noch die 11 Freunde dazu, da kommt man dann doch schon auf den ein oder anderen “Knaller”, der einem eben schon mal irgendwie über den Weg gelaufen ist…

    Ich werds mir trotzdem holen, schon alleine weil es mal endlich wieder frisches, lustiges Fußballlesematerial gibt… :p

  4. Stehplatz sagt:

    Bei Köster bin ich bei Dir. Das kennt man schon.
    Gut ist das Buch immer dann, wenn die Autoren von sich persönlich erzählen.
    Die erste Geschichte finde ich in dem Kontext eine sehr intime Beschreibung einer Freundschaft. Hab die Geschichte nicht so gelesen, dass es darum geht, dass er wieder hin geht. Finde ich nicht trivial.

    Aber wie Du richtig sagst: Die Geschmäcker sind verschieden. Ich mag das Buch sehr. Das “Dieter-Müller-Trauma” zum Beispiel ist grandios. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich schon mal bei den TORWORT-Lesungen war - ein wirklich schönes Projekt. Gut, dass es so was gibt. Natürlich wiederholt sich da auch schon mal was - da gebe ich Euch recht.

    Wollte auch keinen Streit entfachen oder so. Nur die Diskussion über den Schinken.

  5. mberghoefer sagt:

    Das ist doch auch gar kein Streit, wie kommste denn darauf?

    Die erste Geschichte verstehen wir wirklich unterschiedlich. Freundschaft sah ich darin eher nicht, viel mehr “Routine”. Der “Nach Vorne!”-Rufer kommt ja in einer späteren Geschichte nochmal vor (wenn ich tippen müsste, würde ich sagen: das ist die ältere, eigentliche Geschichte - die ganz vorne im Buch wäre dann “nur” daraus “extrahiert”, um den Buchtitel zu begründen), auch da nicht als “Freund” aber immerhin am Rande einer solchen Geschichte…
    Die “Dieter-Müller”-Geschichte ist auch die “Rummenigge-Geschichte”, oder? Ja, die gehört auch meiner Meinung nach zu den Besseren :-)

  6. Stehplatz sagt:

    Idee: Ich bin nächste Woche bei der Torwort-Lesung in Aachen. Da werde ich den Autor mal fragen, wie er den Text sieht. Werde anschließend berichten.

Hinterlasse einen Kommentar

Blog Top Liste - by TopBlogs.de