Ein Bundesligaroman von einem,.der schreiben kann und der weiss, worüber er schreibt. Da kann es nicht verwundern, dass dieser bereits 1982 erschienene Schmöker auch heute noch interessant zu lesen ist, teilweise sogar brandaktuell zu sein scheint.

Es geht um den jungen “Pallmann”, der seinen Verein mit einem Traumtor vor dem Abstieg rettet und sofort vom “FC Bavaria” verpflichtet wird. Klar, es geht um die Bayern und Blickensdörfer, der sich als im süddeutschen beheimateter Sportjournalist dort bestens auskannte, lässt so einiges aus den damals aktuellen Zuständen in Land, Liga und Vereinen einfließen. Aus Madrid ist “Furtner”, der bärtige Mittelfeld-Nationalspieler zurückgekehrt und der eindeutige Boss auf dem Platz und auch daneben. Da hat selbst der dribbelnde Stürmer “Rumnick” nicht viel zu bestellen, und der Trainer schonmal gar nicht. Dem diktiert Breit-, äh, Furtner, wen er wann wo einzuwechseln habe. Der junge Held, gerade mal 19, tut sich anfangs sehr schwer, wird vom Platzhirsch und seinem Anhang im Training schon zurecht gestutzt und verfällt in Depression - aus der ihn der ebenfalls noch sehr junge Manager “Holdorf”, selbst erst kürzlich vom Rasen auf den Chefsessel gewechselt, mit Hilfe eines Psychologen wieder heraus holt. Natürlich spielt der Verein ganz oben mit, und so langsam kommt “Pallmann” in Fahrt.

Beim Europapokalspiel bei “Turbine Dresden” sorgt der Bavaria-Präsident für Aufregung, weil er aus Angst vor Abhöraktionen und möglichen Vergiftungen seiner Spieler lieber nicht in der DDR übernachten lässt (auch das aus der Realität übernommen), und ab hier, in der Mitte des immerhin 370 Seiten starken Buches, wird die Haupthandlung dann fiktiv. Der Superstürmer der SchwarzGelben Dresdner will Republikflucht begehen und braucht die Hilfe eines Bavaria-Spielers: die von “Pallmann” natürlich.

“Pallmann” war Blickensdörfers siebtes Buch, sein erstes aus 1963 behandelte noch die Tour de France, das zweite schon den Fußball (“Ein Ball fliegt um die Welt”), beides richtige Sportbücher, Romane schrieb er erst später, und auch da wieder war seine “erste Liebe” Radsport ein paar Jahre früher dran als der Fußball, in dem er sich allerdings auch sehr gut auskannte - die Spielszenen werden ebenso überzeugend geschildert wie das Verhältnis der Profispieler untereinander, das Leben von einem Spiel zum anderen und der Umgang mit Geld, Verletzungen, Langeweile und Menschen, die “nur das Beste” für den Jungstar wollen. Gegen Ende hin finde ich die Story etwas seicht, und besonderen Tiefgang darf man sowieso nicht erwarten, aber die Geschichte findet den Spannungsbogen immer wieder und liest sich insgesamt sehr gut.

Eine kuriose Geschichte rankt sich um dieses Buch selbst: Blickensdörfer hatte mit seinem ersten Roman (”Die Baskenmütze”) weltweiten Erfolg, aber als Neuling keinen guten Autorenvertrag - das sollte sich danach ändern, auch wenn der Erfolg des Erstlings nie mehr erreicht werden konnte. Aber immerhin konnten Blickensdörfer und sein Verlag seine Romane bei Zeitschriften zum Vorabdruck einreichen, was aus mehreren Gründen lukrativ war. Auszüge von “Pallmann” wurden 1981 der Zeitschrift “Quick” angeboten, die danach das gesamte Manuskript anforderte, es einige Wochen prüfte und dann ablehnte. Im Frühjahr 1982, kurz vor Buch-Veröffentlichung von “Pallmann” brachte die “Quick” dann in ihrem Magazin einen aus dem Hut gezauberten Fortsetzungsroman (”Das große Finale”) um einen jungen Fußballer, der zufällig genau so aussieht und dieselben Abenteuer erlebt wie “Pallmann”, nur dass er mehr deftig beschriebenen Sex hat und in einer Mischung aus FC Bayern und 1.FC Köln spielt. Das offensichtliche Plagiat war angeblich von vorne bis hinten selbst erdacht, auch wenn sich komplette Passagen aus “Pallmann” darin wieder fanden. Immerhin hatte man die Namen geändert, was Bernd Schuster vom 1.FC Köln ärgerte, der sich in der Hauptfigur erkannte. Der Plagiatsvorwurf ging vor Gericht und Blickensdörfers Verlag verlor in erster Instanz, denn der Richter meinte, jeder wisse doch, wie es in der Bundesliga zuginge und dass junge Fußballer eben so wären und solche Dinge erlebten - einen Roman mit anderer Handlung könne man also gar nicht schreiben.

Die Deutsche Wirklichkeit Anfang der Achtziger war also noch deutlich skurriler als die Romanhandlung in Blickensdörfers wirklich immer noch lesenswerten “Pallmann”. Dass sich an dieser Wirklichkeit oder dem, wie es in Profiteams so zugeht, inzwischen etwas geändert hat, das darf bezweifelt werden. Insofern kann die Lektüre dieses sicher extrem günstig zu findenden alten Schmökers auch heute noch empfohlen werden.

(mberghoefer, Februar 2010)

Daten zum Buch:

Titel: Pallmann

Autor: Hans Blickensdörfer

Preis: -vergriffen-, aber sicher für unter 5€ zu finden

ISBN: 3795107857

Erscheinungsdatum: 1982

Umfang: 370 Seiten

Abbildungen: keine

Einband: Gebunden

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