Als 1955 in der Bundesrepublik Deutschland die Gründung der Bundeswehr und damit auch die Wiederbewaffnung ein Thema wurde, erschien in der DDR dieses Büchlein, herausgegeben vom „Ausschuss für Deutsche Einheit“(!), in der von berühmten deutschen Sportlern erzählt wird, die im zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen - das einzige Fußballkapitel ist dabei dem FC Schalke 04 gewidmet.

„Asse des Deutschen Sports - wo sind sie geblieben?“ lautet der vollständige Titel dieses 62-seitigen „Heftes“, das ein kurzes Vorwort, ein etwas längeres Nachwort und dazwischen diverse Kapitel über „Favoriten der Aschenbahnen und Fußballplätze, der Boxringe und Schwimmstadien“ enthält und schließlich mit einer Liste „hervorragender Sportler, Opfer des Hitlerkrieges“ endet.

In blumigen Worten wird über Freundschaften und Erfolge der Sportler erzählt, beginnend beim Leichtathleten Luz Long, der sich mit Jesse Owens maß und bald darauf in Sizilien fiel. Das Kapitel schildert lebendig das freundschaftliche Duell bei der Olympiade 1936, um dann bis 1951 in ein noch weitgehend zerstörtes Olympiastadion zu springen und dort einen traurigen Jesse Owens zu treffen, der sich an Long erinnert.

Rudolf Harbig ist das zweite Kapitel gewidmet, dem Läufer, dessen Name auch Fußballfans ein Begriff ist. „Krieg? Wieso das? Gestern bin ich noch gegen Belgier gelaufen, am vorigen Sonntag mit den Engländern, und nun auf einmal … warum das alles?“ wird er zitiert - um dann wiederum jäh überzuleiten zu seinem Tod auf einem Schlachtfeld bei Kiew.

Skispringer, Turner, Schwimmer, Boxer folgen, dann der FC Schalke 04. In glühenden Worten wird von Szepan und Kuzorra und dem blau-weißen Kreisel berichtet, von Virtuosität, Eleganz und Entschlossenheit. Das 9:0 im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen Admira Wien wird besonders gewürdigt, um dann auf das Jahr 1954 zu verweisen. Schalke feiert sein 50. Jubiläum, sportlich steckt man in der Krise, denn der Krieg hat vieles zerstört und Spieler und Funktionäre haben ihr Leben verloren. „Natz Füller“, „Allan“ Urban (so wird er hier genannt), „Papa“ Unkel die Prominentesten, aber auch Walter Berg, Heinz Hinz uvm.

Im Kapitel zu Schalke 04 wird am Ende am deutlichsten Bezug genommen auf die politische Entwicklung in der BRD: „Aber schon wieder sind die gleichen faschistischen Generale, die den Schalker Kreisel zerstörten, am Werk: Sollen solche hoffnungsvollen jungen Talente wie Klaus Stürmer und Uwe Seeler unter ihrem Kommando den gleichen verhängnisvollen Weg gehen wie die Schalker Jungen?“

Denn darum geht es hier: um Empörung über die Pläne zum Aufbau einer neuen Armee in Deutschland. Das Nachwort nimmt dann auch kein Blatt mehr vor den Mund. „Sport und Krieg sind unvereinbar. Wir wollen nicht, dass der Sport dazu dient, die Jugend auf einen neuen wahnsinnigen Eroberungskrieg vorzubereiten. Deshalb, westdeutsche Sportler, verschließt nicht eure Augen vor dem, was um Euch herum vorgeht!“ und so weiter und so fort.

Ein kurioses kleines Buch, aus einer Zeit, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Interessant ist es allemal.

(mberghoefer, Februar 2010)

Daten zum Buch:

Titel: Asse des Deutschen Sports - wo sind sie geblieben?

Autor: Ausschuss für deutsche Einheit

Preis: -vergriffen-

ISBN:

Erscheinungsdatum:1955

Umfang: 62 Seiten

Abbildungen: ein paar sw-Fotos

Einband: A5 broschiert (Schulheft-ähnlich)

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